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QSV für MIM-Bauteile: Was Einkäufer regeln müssen

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Date:2026-11-04   Views:0


Was ist eine QSV und warum ist sie bei MIM-Bauteilen kritisch?

Die Qualitätssicherungsvereinbarung (QSV) ist ein Anhang zum Liefervertrag, der die Qualitätsverantwortung zwischen Einkäufer und Lieferant verbindlich verteilt: Prüfpflichten, Annahmekriterien, Änderungsanzeigen, Auditrechte, Reklamationsabläufe und Dokumentationspflichten. Sie funktioniert, indem sie aus allgemeinen Gewährleistungsregeln konkrete, prüfbare Pflichten macht. Sie ist bei MIM-Bauteilen besonders kritisch, weil die Qualität des Endteils von Prozessschritten abhängt, die der Einkäufer nicht sieht — Feedstock-Charge, Entbinderung, Sinterprofil, Nachbearbeitung — und weil ein später entdeckter Maß- oder Dichteabweichung erst nach der Montage sichtbar wird.

"Reicht ein Rahmenvertrag ohne QSV?" — Nein. Der Rahmenvertrag regelt Preise, Mengen und Laufzeiten; die QSV regelt, wer prüft, wer nachweist und wer für welchen Schaden haftet.

Dieser Leitfaden richtet sich an Einkäufer in der DACH-Region, die MIM-Bauteile aus dem europäischen oder asiatischen Ausland beziehen und eine QSV prüfen, verhandeln oder als Anhang aufsetzen müssen.

Schnellvergleich: QSV, Rahmenvertrag und Lastenheft

Die drei Dokumente greifen ineinander, ersetzen sich aber nicht. Wer sie verwechselt, verliert im Reklamationsfall die entscheidende Argumentationskette.

DokumentRegeltTypische InhalteNicht enthalten
RahmenvertragKommerzielle BedingungenPreise, Preisgleitklausel, Mengen, Lieferfenster, Zahlungsziele, WerkzeugeigentumPrüfmethoden, AQL, Reklamationsfristen
QSVQualitätsverantwortung und NachweisePrüfpflichten, AQL, Änderungsanzeige, Auditrechte, 8D, Dokumentation, HaftungStückpreise und Liefermengen
Lastenheft / ZeichnungTechnische AnforderungenWerkstoff, Toleranzen, Oberfläche, Prüfmerkmale, NormenProzess- und Meldeabläufe

In der Praxis ist die QSV der Ort, an dem technische Anforderungen aus dem Lastenheft in durchsetzbare Lieferantenpflichten übersetzt werden. Fehlt dieser Übersetzungsschritt, bleibt die Zeichnung eine Absichtserklärung.

Welche Prüfpflichten und AQL-Regelungen gehören in die QSV?

Die QSV muss drei Fragen beantworten: Was prüft der Lieferant, wie prüft er es, und was passiert bei Abweichung. Für MIM-Bauteile hat sich eine Klassifizierung der Merkmale nach Funktionsrisiko bewährt.

MerkmalsklasseBeispielePrüfumfang beim LieferantenEmpfohlener AQL
A — sicherheits- und funktionskritischWandstärke an Bruchstelle, Dichte, Gewinde, Fügeflächen100 % oder automatisierte 100-%-Prüfung, Cpk-Nachweis ≥ 1,330,65 oder 0 (c = 0)
B — funktionsrelevantLagerbohrung, Rundheit, Flachheit, OberflächenrauheitStichprobe je Los, Messmittelfähigkeit nachgewiesen1,0 bis 1,5
C — allgemeine MaßhaltigkeitFreimaße, Entgratung, KennzeichnungStichprobe je Los, Sichtprüfung2,5
D — dokumentationspflichtigWerkstoffzeugnis, WärmebehandlungsprotokollCharge und Loszuordnung, Rückverfolgbarkeitnicht anwendbar

Wichtig ist die Bezugsnorm: AQL-Werte ohne die Angabe „DIN ISO 2859-1, Prüfniveau II, einfache Stichprobe" sind nicht eindeutig. Ebenso muss die QSV regeln, ob der AQL für das Los oder für das Einzelmerkmal gilt — bei mehreren B-Merkmalen summiert sich das Risiko sonst schnell.

"Darf der Lieferant bei A-Merkmalen eine Stichprobe fahren?" — Nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Einkäufers und nur, wenn die Prozessfähigkeit über mindestens 20 aufeinanderfolgende Lose mit Cpk ≥ 1,33 nachgewiesen ist.

Die Prüfplanung sollte auf den Wareneingang abgestimmt sein. Unsere IQC-Checkliste für MIM-Bauteile zeigt, welche Merkmale der Einkäufer nach Ankunft sinnvoll nachprüft, ohne den Lieferanten doppelt zu prüfen.

Wie regelt man Änderungsanzeige, Sonderfreigabe und Reklamation?

Die meisten Qualitätsstreitigkeiten entstehen nicht durch schlechte Teile, sondern durch unangekündigte Änderungen und unklare Eskalationswege. Die QSV muss deshalb Fristen und Zuständigkeiten enthalten, nicht nur Absichtserklärungen.

ProzessPflicht des LieferantenFrist / SchwelleReaktion des Einkäufers
ÄnderungsanzeigeMeldung vor Änderung von Werkstoff, Feedstock, Unterlieferant, Prozess, Werkzeug oder Produktionsstandortmindestens 90 Kalendertage vor Umsetzung, mit RequalifizierungsplanFreigabe, Bemusterung oder Ablehnung in Schriftform
SonderfreigabeAntrag mit Abweichungsbeschreibung, Ursache, Menge, Risikobewertung und Auswirkung auf Funktionvor Lieferung, je Los und je Merkmalbefristete Konzession, Sortieraktion oder Ablehnung
Reklamation8D-Report, Sofortmaßnahmen, Sperrlager, UrsachenanalyseErstmeldung 24 h, Sofortmaßnahme 48 h, 8D-Abschluss 10 ArbeitstageWirksamkeitsprüfung nach 3 Losen
Rückruf / FeldproblemInformation unverzüglich, auch bei Verdachtinnerhalb von 24 h, rund um die Uhr erreichbargemeinsame Risikobewertung, Kostenübernahme klären
"Was muss eine Sonderfreigabe mindestens enthalten?" — Merkmal, Soll-Ist-Abweichung, betroffene Menge und Lose, Ursache, Risiko für Funktion und Montage sowie eine Befristung; ohne diese Angaben ist sie nicht entscheidungsfähig.

Der Ablauf der Sonderfreigabe ist ein eigenes Thema — unsere Leitlinie zur Sonderfreigabe bei MIM-Bauteilen beschreibt die Schritte vom Antrag bis zur Konzession. Für die Reklamationsbearbeitung ist der 8D-Report mit Sperrlager und Belastungsanzeige die operative Grundlage.

Welche Audit- und Einsichtsrechte sind angemessen?

Ein Auditrecht ist nur so viel wert wie seine Reichweite. Die QSV sollte drei Ebenen abdecken: Regelaudit, Anlassaudit und Zugriff auf die Unterlieferantenkette.

  • Regelaudit: mindestens einmal jährlich, angekündigt, nach VDA 6.3 oder ISO 9001, Dauer 1–2 Tage.
  • Anlassaudit: innerhalb von 10 Arbeitstagen nach zwei aufeinanderfolgenden Reklamationen oder einem sicherheitsrelevanten Vorfall.
  • Prozess- und Produktaudit: Zugang zur Produktionslinie, Einsicht in Sinter- und Entbinderungsprotokolle, Prüfung der Messmittel.
  • Unterlieferanten: Benennung von Feedstock-Lieferanten, Wärmebehandlungs- und Oberflächenbetrieben; Zustimmungspflicht bei Wechsel.
Das Auditrecht muss auch für Standorte gelten, die der Lieferant nach Auftragserteilung verlagert. Eine QSV, die nur den ursprünglich benannten Standort nennt, ist nach einem Produktionsumzug wertlos.
"Wie oft ist ein Regelautfrag angemessen?" — Einmal jährlich bei stabiler Lieferbeziehung; bei einem neuen Lieferanten oder einem sicherheitskritischen Bauteil zusätzlich ein Prozessaudit vor Serienfreigabe.

Die Auditvorbereitung auf Lieferantenseite lässt sich mit dem VDA-6.3-Leitfaden strukturieren; für den Einkäufer zählt vor allem, dass die im Audit gefundenen Abweichungen mit Frist und Verantwortlichem in die QSV-Matrix zurückfließen.

Haftung, Rückrufkosten und Versicherung: Was ist durchsetzbar?

Die QSV sollte die Haftung nicht neu erfinden, sondern klarstellen, wer welchen Schaden trägt. Vier Punkte sind für MIM-Bauteile praxisrelevant:

HaftungsfeldEmpfohlene RegelungGrenze
Gewährleistung24 Monate ab Lieferung, unabhängig von der VerarbeitungGesetzliche Mindestfristen bleiben unberührt
Sortier- und SonderkostenLieferant trägt Sortier-, Nacharbeits- und Transportkosten bei berechtigter ReklamationNachweis der Verursachung durch Prüfbericht
Rückruf- und FeldkostenErstattung nach Verschulden, mit abgestimmter Obergrenze je VorfallPauschale Deckelung ist zulässig, wenn angemessen
VersicherungProdukthaftpflicht mit angemessener Deckungssumme, Nachweis jährlichDeckungssumme muss zum Bauteilrisiko passen
"Kann der Lieferant die Haftung auf den Stückpreis begrenzen?" — Eine Begrenzung auf den Stückpreis ist bei sicherheitskritischen Bauteilen regelmäßig unwirksam; bei Standardteilen ist eine angemessene Begrenzung verhandelbar.

Wichtig ist die Verzahnung mit dem Werkzeugvertrag: Wenn das Werkzeug im Eigentum des Einkäufers steht, muss die QSV regeln, wer die Instandhaltung bezahlt und wie die Werkzeugabnahme dokumentiert wird. Unsere Checkliste zur Werkzeugabnahme enthält die Prüfpunkte, die als Anlage zur QSV dienen können. Die kommerziellen Regelungen zu Werkzeug und Preisgleitklausel gehören dagegen in den Rahmenvertrag.

Welche Dokumentations- und Nachweispflichten brauchen MIM-Einkäufer?

Die QSV sollte eine Dokumentenliste enthalten, nicht nur eine Aufbewahrungsfrist. Für MIM-Bauteile sind sieben Nachweise üblich:

  1. Werkstoffzeugnis nach EN 10204 3.1 mit Chargenzuordnung.
  2. Prüfprotokoll je Los mit Messwerten für A- und B-Merkmale.
  3. Nachweis der Sintercharge und des Sinterprofils.
  4. Wärmebehandlungsprotokoll mit Ofen- und Chargennummer.
  5. Oberflächenbehandlung: Schichtdicke, Haftung, Salzsprühtest.
  6. Erstmusterprüfbericht (PPAP / VDA 2) mit Messmittelfähigkeit.
  7. 8D-Report und Wirksamkeitsnachweis bei Reklamationen.
Aufbewahrungsfristen von 10 bis 15 Jahren sind üblich, bei sicherheitskritischen Bauteilen eher 15 Jahre. Entscheidend ist die Zuordnung: Ein Zeugnis ohne Losnummer ist im Schadensfall wertlos.
"Muss der Lieferant jede Charge prüfen?" — Bei A-Merkmalen ja; bei B- und C-Merkmalen genügt eine dokumentierte Stichprobe je Los, sofern die Prozessfähigkeit nachgewiesen ist.

Entscheidungsrahmen: QSV in sechs Schritten prüfen

Nutzen Sie diese Reihenfolge, bevor Sie eine QSV unterschreiben:

  1. Merkmalsklassen festlegen: Welche Merkmale sind A, B, C oder D? Ohne diese Einteilung ist jeder AQL-Wert zufällig.
  2. Prüfmethoden zuordnen: Welches Messmittel, welche Fähigkeit, welcher Prüfzeitpunkt?
  3. Meldewege und Fristen fixieren: Änderung, Sonderfreigabe, Reklamation, Rückruf.
  4. Audit- und Einsichtsrechte formulieren: Regel-, Anlass- und Prozessaudit, inklusive Unterlieferanten.
  5. Dokumentenliste und Aufbewahrung abstimmen: Zeugnisse, Protokolle, PPAP, 8D.
  6. Haftung und Versicherung prüfen: Sortierkosten, Rückrufkosten, Deckungssumme.
Wenn ein Lieferant einen dieser Punkte nicht akzeptiert, ist das kein Formfehler, sondern ein Signal für das Risikoprofil der Zusammenarbeit.

Referenzseiten

Nächster Schritt: QSV-Anhang prüfen lassen

ATMIK liefert MIM-Bauteile mit dokumentierter Prozesskette, Losrückverfolgbarkeit und PPAP-Unterlagen nach VDA 2. Wir prüfen Ihre QSV-Anforderungen vor der Angebotsabgabe und benennen die Punkte, die technisch nicht messbar oder wirtschaftlich unverhältnismäßig sind.

Senden Sie Ihre QSV, Zeichnung und Jahresmenge an sales1@atmsh.com. Sie erhalten eine kommentierte Fassung mit den Prüfmerkmalen, die wir im Sinterprozess beherrschen, und den Merkmalen, die eine Sizing- oder CNC-Nachbearbeitung erfordern.

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