Date:2026-10-30 Views:0
Eine Qualitätssicherungsvereinbarung (QSV) ist ein Vertragsanhang, in dem Einkäufer und Lieferant die prüftechnischen und organisatorischen Pflichten für ein Produkt verbindlich festlegen — von der Erstmusterprüfung über die Serienprüfung bis zur Reklamationsbearbeitung. Sie funktioniert als Ergänzung zum Kaufvertrag: Der Kaufvertrag regelt Preis, Menge und Lieferung, die QSV regelt, wie Qualität nachgewiesen, dokumentiert und im Fehlerfall behandelt wird. Bei MIM-Bauteilen ist das besonders wichtig, weil Maßhaltigkeit, Dichte und mechanische Eigenschaften erst über Sinterprofil, Werkzeugstand und Chargenführung stabil werden — Merkmale, die ein Einkäufer ohne klare Prüfregeln nicht wirksam kontrollieren kann.
"Reicht ein Kaufvertrag mit ISO-9001-Zertifikat des Lieferanten aus?" -- Nein. Das Zertifikat beschreibt das Managementsystem, die QSV beschreibt das konkrete Bauteil, seine Prüfmerkmale und die Pflichten bei Abweichungen.
| Regelungsbereich | Typischer Inhalt | Empfehlung für MIM |
|---|---|---|
| Geltungsbereich und Normen | Produkt, Werk, Normenbasis | ISO 9001 verpflichtend, IATF 16949 bei Automobilkunden, VDA 6.3 als Auditgrundlage |
| Erstbemusterung | EMPB / PPAP-Umfang, Freigabeverfahren | PPAP Level 3 mit Maßbericht, Dichte, Zugversuch und Prozessfähigkeit |
| Serienprüfung | Prüfplan, Stichproben, AQL | Prüfplan je Merkmal, AQL 0,65 nach ISO 2859-1 für kritische Maße |
| Prozessfähigkeit | Cpk-Zielwerte, Nachweispflicht | Cpk ≥ 1,33 für kritische Merkmale, Ppk ≥ 1,67 im Serienanlauf |
| Änderungsmanagement | PCN-Pflicht, Requalifizierung | 90 Tage Vorankündigung, Freigabe vor Auslieferung |
| Reklamation | 8D-Prozess, Fristen, Sperrlager | Sofortmaßnahme in 24 h, 8D-Abschluss in 10 Arbeitstagen |
| Dokumentation | Aufbewahrung, Rückverfolgbarkeit | 15 Jahre, Chargenrückverfolgung bis Sintercharge und Pulverlot |
Wer diese sieben Bereiche nicht regelt, verhandelt sie später — meist während einer Reklamation, wenn der Liefertermin bereits gefährdet ist.
MIM-Bauteile haben drei Merkmalsgruppen, die unterschiedlich geprüft werden müssen: Geometrie, Werkstoffzustand und Funktionsverhalten. Die QSV sollte für jede Gruppe Prüfmethode, Stichprobe und Dokumentationsform benennen, statt nur "nach Zeichnung" zu verlangen.
| Merkmal | Prüfmethode | Typische Stichprobe | Dokumentation |
|---|---|---|---|
| Kritische Maße | Koordinatenmessgerät (KMG) | 5 Teile je Los | Messprotokoll mit Messunsicherheit |
| Dichte / Porosität | Archimedes-Verfahren, Metallographie | 1 Teil je Sintercharge | Dichtewert in g/cm³, Schliffbild bei Auffälligkeit |
| Zugfestigkeit und Dehnung | DIN EN ISO 6892-1 | 1 Probensatz je Woche | Prüfzeugnis mit Ofencharge |
| Härte | Rockwell oder Vickers | 3 Teile je Los nach Wärmebehandlung | Härteprotokoll |
| Oberfläche / Rauheit | Rauheitsmessung, Sichtprüfung mit Grenzmuster | 3 Teile je Los | Grenzmusterfreigabe, Messprotokoll |
| Technische Sauberkeit | VDA 19.1 | 1 Bauteil je Quartal | Prüfbericht mit Partikelmassen |
"Muss die Dichte wirklich an jedem Los geprüft werden?" -- Ja, wenn die QSV die Dichte als kritisches Merkmal führt; die Dichte ist der direkteste Nachweis dafür, dass Sinterprofil und Ofencharge im Prozessfenster lagen.
Der häufigste Streitpunkt zwischen Einkauf und MIM-Lieferant ist nicht die Erstbemusterung, sondern die stille Änderung: ein neuer Pulverlieferant, ein verkürzter Sinterzyklus, ein umgestelltes Werkzeug oder eine Verlagerung des Fertigungsstandorts. Die QSV sollte deshalb drei Dinge festlegen — die Ankündigungsfrist, die Änderungsklassen und den Requalifizierungsumfang.
Als Ankündigungsfrist haben sich 90 Tage für werkzeug- und materialrelevante Änderungen bewährt. Die Änderungsklassen unterscheiden idealerweise zwischen Formänderung (neues Werkzeug oder Kavität), Materialänderung (Pulver, Binder, Lieferant), Prozessänderung (Sinterprofil, Entbinderung, Wärmebehandlung) und Standortänderung. Für jede Klasse sollte die QSV festlegen, ob ein vollständiger EMPB, ein verkürzter Maßbericht oder nur eine Dokumentationsmitteilung erforderlich ist.
Entscheidend ist die Freigabe vor Auslieferung. Wird erst nach der ersten Lieferung requalifiziert, ist die Ware bereits beim Kunden — und die Rückverfolgbarkeit wird zur Rückrufübung.
Prozessfähigkeit ist bei MIM kein Papierwert: Sie zeigt, ob ein Merkmal über Chargen und Werkzeugstände hinweg beherrscht wird. Die QSV sollte Cpk-Zielwerte, den Messumfang und die Reaktion bei Unterschreitung definieren — etwa eine 100-%-Prüfung bis zur Ursachenbehebung.
Für Reklamationen empfiehlt sich ein gestufter Zeitplan: Sofortmaßnahmen und Sperrung verdächtiger Bestände innerhalb von 24 Stunden, D3 und D4 mit Ursachenanalyse innerhalb von 5 Arbeitstagen, abgeschlossener 8D-Report innerhalb von 10 Arbeitstagen. Ergänzend sollten Sperrlager, Sortierkosten und Belastungsanzeige geregelt sein, damit die Kostenfolge nicht Gegenstand jeder Einzelverhandlung wird.
"Dürfen wir als Einkäufer eine 100-%-Prüfung verlangen, wenn der Cpk-Wert fällt?" -- Ja, und die QSV sollte diese Eskalation vorsehen; ohne vertragliche Grundlage wird die Sortieraktion sonst zur kostenpflichtigen Zusatzvereinbarung.
| KPI | Zielwert | Eskalation bei Unterschreitung |
|---|---|---|
| Fehlerrate (PPM) | < 500 PPM | Maßnahmenplan und Cpk-Nachweis innerhalb von 4 Wochen |
| Liefertermintreue | ≥ 98 % | Kapazitätsgespräch, Sicherheitsbestand |
| 8D-Bearbeitungszeit | ≤ 10 Arbeitstage | Eskalation an Qualitätsleitung des Lieferanten |
| VDA-6.3-Auditergebnis | ≥ 92 % (Stufe B) | Reaudit innerhalb von 6 Monaten |
| Prozessfähigkeit Cpk | ≥ 1,33 | 100-%-Prüfung bis Nachweis |
Die KPI-Tabelle gehört nicht in die QSV als Selbstzweck, sondern als Grundlage für ein jährliches Lieferantengespräch. Wer die Werte vorher vereinbart, diskutiert später über Maßnahmen statt über Messmethoden.
Prüfen Sie Ihre bestehende Vereinbarung an diesen sechs Fragen:
"Was ist der teuerste Fehler in einer MIM-QSV?" -- Das Fehlen einer PCN-Pflicht; eine unangekündigte Prozess- oder Materialänderung wird meist erst beim Kunden sichtbar, wenn Maßhaltigkeit oder Dichte außerhalb der Spezifikation liegen.
Senden Sie uns Zeichnung, Jahresmenge und Ihre bestehende QSV. Wir prüfen die Vereinbarung gegen unsere Prüf- und Prozessdaten, markieren Lücken bei Dichte, Prozessfähigkeit und Änderungsmanagement und liefern einen angepassten Formulierungsvorschlag innerhalb von drei Werktagen. E-Mail an sales1@atmsh.com oder Telefon +86 021 55128901.
ATMIK fertigt MIM-Präzisionsbauteile für Automobil, Medizintechnik und Industrie nach ISO 9001 und IATF 16949; Ansprechpartner für deutsche Einkäufer stehen für technische und vertragliche Fragen bereit.
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