Date:2026-07-18 Views:0
Pulvermetallurgische Gleitlager -- auch PM-Gleitlager (Sintergleitlager) oder PM-Gleitlager genannt -- sind selbstschmierende Lagerelemente, die durch Verdichten und Sintern von Metallpulver hergestellt werden. Ihr Funktionsprinzip beruht auf der kontrollierten Porosität des Sinterwerkstoffs: Die offenen Poren werden vor dem Einbau mit Schmieröl imprägniert und geben dieses während des Betriebs kontinuierlich an die Gleitfläche ab.
Die wesentlichen Merkmale umfassen:
"Warum eignet sich Pulvermetallurgie besonders für Gleitlager?" -- PM-Gleitlager lassen sich als Near-Net-Shape-Bauteile fertigen, wodurch Materialverluste minimiert und komplexe Geometrien wie Bundlager oder Lager mit Schmiernut direkt in einem Arbeitsschritt entstehen.
Die Werkstoffauswahl bestimmt maßgeblich die Tragfähigkeit, Verschleißfestigkeit und Temperaturbeständigkeit eines Sintergleitlagers. Die beiden dominierenden Werkstofffamilien sind Sinterbronzen und Eisen-Kohlenstoff-Legierungen.
Sinterbronzen auf Basis von Kupfer-Zinn-Legierungen (z. B. CuSn10) sind die am weitesten verbreitete Werkstoffgruppe für PM-Gleitlager. Sie zeichnen sich durch hervorragende Notlaufeigenschaften, hohe Korrosionsbeständigkeit und gutes Einlaufverhalten aus.
Eisenbasierte Sinterlager bieten eine höhere Druckfestigkeit und sind kostengünstiger als Bronze-Lager. Sie eignen sich besonders für Anwendungen mit höheren Flächenpressungen bei moderaten Gleitgeschwindigkeiten.
Für trockenlaufende oder lebensmitteltechnische Anwendungen kommen PTFE-gebundene Sinterwerkstoffe zum Einsatz. Diese erfordern keine externe Schmierung und arbeiten nahezu wartungsfrei.
| Werkstoff | Dichte (g/cm³) | Härte (HB) | Zugfestigkeit (MPa) | Max. PV-Wert (MPa·m/s) | Einsatztemperatur (°C) |
|---|---|---|---|---|---|
| CuSn10 (Sinterbronze) | 6,0 - 6,6 | 40 - 70 | 100 - 180 | 10 - 15 | -40 bis +150 |
| Fe-C 0,3 % C | 5,8 - 6,3 | 60 - 90 | 150 - 200 | 1,5 - 2,5 | -40 bis +200 |
| Fe-Cu-C | 6,0 - 6,5 | 70 - 120 | 180 - 250 | 2,0 - 4,0 | -40 bis +200 |
| CuSn8 + Graphit | 5,8 - 6,4 | 35 - 65 | 80 - 150 | 8 - 12 | -40 bis +180 |
| Fe-PTFE-Verbund | 4,5 - 5,5 | 20 - 50 | 50 - 100 | 0,5 - 1,5 | -200 bis +260 |
Die Porosität ist das Herzstück jedes PM-Gleitlagers. Sie bestimmt direkt die Ölspeicherkapazität, die Schmierölversorgung und die Druckfestigkeit des Bauteils.
Die Porosität wird primär durch den Verdichtungsdruck beim Pressen gesteuert. Höherer Druck führt zu geringerer Porosität und höherer Festigkeit. Typische Pressdrücke liegen zwischen 200 MPa und 600 MPa. Zusätzlich beeinflussen Pulverkorngröße, Sintertemperatur und Sinterzeit das endgültige Porenvolumen.
Für ölgeschmierte Gleitlager hat sich ein Porositätsbereich von 18 bis 25 Vol.% als optimal erwiesen. Werte darunter reduzieren die Ölspeichermenge und verkürzen die Wartungsintervalle. Werte darüber schwächen die mechanische Festigkeit des Lagers und erhöhen das Risiko von Kaltverschweißungen.
"Wie viel Öl kann ein Sintergleitlager aufnehmen?" -- Ein pulvermetallurgisches Gleitlager (PM-Gleitlager) mit 20 Vol.% Porosität nimmt je nach Bauteilvolumen bis zu 2 bis 4 Gew.% Schmieröl auf. Das entspricht bei einem Lager mit 10 cm³ Volumen etwa 1,2 bis 2,4 g Öl.
Die Standardmethode ist die Vakuum-Imprägnierung: Das gesinterte Lager wird in einem Vakuumbehälter mit Schmieröl (meist ISO VG 68 oder spezielle Sinterlageröle) behandelt. Unter Vakuum entweicht die Luft aus den Poren, und beim Belüften dringt das Öl durch capillare Kräfte ein.
| Imprägnierverfahren | Ölgehalt (Gew.%) | Prozesszeit (min) | Kostenindikator | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Vakuum-Imprägnierung | 2,0 - 4,0 | 30 - 60 | Mittel | Standard für PM-Gleitlager in der Industrie |
| Heißimprägnierung (80 °C) | 2,5 - 4,5 | 20 - 40 | Mittel | Schnellere Penetration |
| Hochdruckimprägnierung | 3,0 - 5,0 | 15 - 30 | Höher | Für PM-Gleitlager mit hohen Porositäten |
| Tauchimprägnierung (offen) | 1,0 - 2,5 | 60 - 120 | Niedrig | Für weniger anspruchsvolle PM-Gleitlager-Anwendungen |
Die Wahl zwischen Sinterbronze und Eisenbasis hängt von den Betriebsbedingungen ab. Beide Werkstoffe haben klar abgegrenzte Einsatzgebiete.
Sinterbronze ist die erste Wahl, wenn Korrosionsbeständigkeit, gutes Einlaufverhalten und hohe Gleitgeschwindigkeiten gefordert sind. Sie wird bevorzugt in Elektromotoren, Haushaltsgeräten und Pumpen eingesetzt. Der höhere Preis wird durch die längere Lebensdauer und den geringeren Verschleiß ausgeglichen.
Eisenbasierte PM-Gleitlager punkten bei hohen statischen Lasten und Anwendungen mit geringen Gleitgeschwindigkeiten. Sie sind die kostengünstigere Alternative für Getriebe, Baumaschinen und landwirtschaftliche Geräte. Allerdings sind sie korrosionsanfälliger und erfordern in feuchter Umgebung entsprechenden Korrosionsschutz.
"Wann sollte ich unbedingt Sinterbronze statt Eisen wählen?" -- Wählen Sie Sinterbronze, wenn das Lager Korrosion ausgesetzt ist, hohe Gleitgeschwindigkeiten (> 1 m/s) auftreten oder Notlaufeigenschaften bei plötzlichem Schmierausfall erforderlich sind.
Die korrekte Dimensionierung eines PM-Gleitlagers erfordert die Berücksichtigung von PV-Wert, Passung und geometrischen Toleranzen.
Der PV-Wert ist das Produkt aus spezifischer Flächenpressung P (MPa) und Gleitgeschwindigkeit v (m/s). Er darf einen werkstoffspezifischen Grenzwert nicht überschreiten, um ein Überhitzen und einen thermischen Verschleiß zu vermeiden.
PM-Gleitlager werden üblicherweise mit einer Übergangspassung oder leichten Presspassung im Gehäuse eingebaut. Die Passung hängt von der Lagergröße und der Belastung ab.
| Nenndurchmesser d (mm) | Wellentoleranz | Bohrungstoleranz Lager | Spiel im Betrieb (µm) | ISO-Passungsempfehlung |
|---|---|---|---|---|
| 3 - 6 | h7 | H7 | 8 - 18 | H7/h7 |
| 6 - 10 | h7 | H7 | 10 - 25 | H7/h7 |
| 10 - 18 | h7 | H7 | 15 - 35 | H7/h7 |
| 18 - 30 | h7 | H7 | 20 - 50 | H7/h7 |
| 30 - 50 | h7 | H7 | 30 - 70 | H7/h7 |
| 50 - 80 | h7 | H8 | 40 - 90 | H8/h7 |
Die Fertigung von Pulvermetallurgie-Gleitlagern (PM-Gleitlagern) unterliegt aufgrund des Sinterprozesses spezifischen Toleranzgrenzen. Für Normalanwendungen gilt DIN ISO 2795, wobei engere Toleranzen durch Nachbearbeitung erreicht werden können.
PM-Gleitlager haben physikalische Grenzen, die bei der Konstruktion beachtet werden müssen.
Die maximale Einsatztemperatur wird durch das Schmieröl und den Werkstoff bestimmt. Überschreitet die Betriebstemperatur +150 °C bei Bronze oder +200 °C bei Eisenbasis, droht Ölalterung und Festigkeitsverlust.
Bei sehr hohen dynamischen Lasten oder Schwingungsbelastungen kann die Festigkeit von Sinterlagern unzureichend sein. In solchen Fällen sind massive Bronzelager oder Wälzlager die bessere Wahl.
Neben der Pulvermetallurgie (PM-Gleitlager-Herstellung) stehen weitere Verfahren zur Herstellung von Gleitlagern zur Verfügung:
Mit diesem Entscheidungsrahmen finden Sie schnell die passende Lösung:
1. Welche Stückzahl planen Sie?Pulvermetallurgische Gleitlager bieten eine überzeugende Kombination aus Kostenvorteilen, Funktionalität und Fertigungseffizienz. Die kontrollierte Porosität ermöglicht selbstschmierende Eigenschaften, die Wartungsintervalle verlängern und den Betriebslärm senken. Die Wahl zwischen Sinterbronze und Eisenbasis hängt dabei primär von der spezifischen Belastung, der Korrosionsgefährdung und der erforderlichen Gleitgeschwindigkeit ab.
Für Serienanwendungen mit PM-Gleitlagern ab etwa 5.000 Stück pro Jahr lohnt sich die Pulvermetallurgie nahezu immer gegenüber spanenden Fertigungsverfahren. Die Einhaltung der richtigen Toleranzen nach ISO 2795 und die sorgfältige Auslegung des PV-Werts sichern eine lange Lebensdauer. Bei atmik unterstützen wir Sie bei PM-Gleitlagern bei der Werkstoffauswahl, der Konstruktionsoptimierung und der Serienfertigung Ihrer Pulvermetallurgie-Gleitlager (PM-Gleitlager) -- vom Prototypen bis zur Millionen-Serie.
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