Date:2026-07-17 Views:0
Metallspritzguss (MIM) ist ein Near-Net-Shape-Fertigungsverfahren, das Metallpulver mit einem thermoplastischen Bindersystem zu einer formbaren Masse vermischt, diese in eine Spritzgussform einspritzt und anschließend durch Entbindern und Sintern zu einem dichten Metallbauteil verarbeitet. Das Verfahren kombiniert die Geometriefreiheit des Kunststoffspritzgusses mit den Werkstoffeigenschaften der Pulvermetallurgie und erreicht Sinterdichten von 95–98 % der theoretischen Dichte. MIM eignet sich insbesondere für kleine, komplexe Bauteile mit Gewicht von 0,1 bis 100 g und jährlichen Stückzahlen ab 10.000 Stück.
Die wichtigsten Merkmale des Metallspritzgusses im Überblick:
Der Metallspritzgussprozess besteht aus vier Hauptphasen, die nacheinander durchlaufen werden. Jede Phase beeinflusst die Bauteilqualität und muss exakt kontrolliert werden, um die angestrebten mechanischen Eigenschaften und Maßgenauigkeiten zu erreichen.
"Wie funktioniert Metallspritzguss?" — MIM verläuft in vier Schritten: Feedstock-Herstellung (Pulver + Binder), Spritzguss in die Form, Entbindern (Binderentfernung) und Sintern bei 1300–1380 °C auf 95–98 % Dichte.
| Prozessschritt | Temperatur / Parameter | Ergebnis |
|---|---|---|
| 1. Feedstock-Mischung | 120–180 °C, Pulvergröße 10–20 µm | Homogene Spritzgussmasse |
| 2. Spritzguss | Druck 60–150 MPa, Formtemp. 40–60 °C | Grünling (Rohling) |
| 3. Entbindern | Thermisch 200–600 °C oder lösungsmittelbasiert | Braunling (Binder entfernt) |
| 4. Sintern | 1300–1380 °C, H2- oder Vakuumatmosphäre | Fertigbauteil mit 95–98 % Dichte |
Beim Sintern schrumpft das Bauteil um 15–20 %, da die Poren verschwinden, die der Binder hinterlassen hat. Diese Schrumpfung wird bereits bei der Werkzeugauslegung durch einen Übermaßfaktor von 1,15–1,20 kompensiert. Die Vorteile des MIM-Verfahrens liegen vor allem in der Kombination aus hoher Geometriekomplexität und Werkstoffdichte.
Die Maßgenauigkeit von MIM-Bauteilen wird maßgeblich durch die Sinterschrumpfung bestimmt. Da die Schrumpfung von 15–20 % nicht an jeder Stelle völlig gleichmäßig verläuft, liegen die as-gesinterten Toleranzen im Bereich IT8–IT11 (±0,03–0,15 mm für Abmessungen unter 25 mm). Durch nachgeschaltete Kalibrierverfahren (Prägen oder sizing) lassen sich kritische Maße auf ±0,02 mm (IT7–IT8) verbessern.
"Welche Toleranz erreicht MIM?" — MIM erreicht as-gesintert ±0,03–0,15 mm (IT8–IT11). Mit zusätzlicher Kalibrierung sind ±0,02 mm (IT7–IT8) an kritischen Funktionsflächen möglich.
| Eigenschaft | MIM (as-gesintert) | MIM (kalibriert) |
|---|---|---|
| Toleranzbereich | ±0,03–0,15 mm | ±0,02–0,05 mm |
| Oberflächenrauheit Ra | 0,8–1,6 µm | 0,4–0,8 µm |
| Sinterdichte | 95–97 % theoretical | 97–99 % |
| Mindestwanddicke | 0,5 mm | 0,5 mm |
| Mindeststrukturgröße | 0,1 mm | 0,1 mm |
Für Anwendungen, die engere Toleranzen als IT7 erfordern, kann eine Kombination aus MIM und nachfolgender CNC-Bearbeitung an kritischen Flächen die wirtschaftlichste Lösung sein. Die Oberflächengüte von 0,8–1,6 µm Ra as-gesintert ist für die meisten technischen Anwendungen ausreichend und kann durch Polieren oder Oberflächennachbehandlung weiter verbessert werden.
Die Materialauswahl für Metallspritzguss umfasst alle Legierungen, die zu feinem Pulver (typisch <20 µm) zerstäubt und zu nahezu voller Dichte gesintert werden können. Die am häufigsten verwendeten MIM-Werkstoffe sind rostfreie Stähle (316L, 17-4PH, 420), niedriglegierte Stähle, weichmagnetische Legierungen (Fe-3Si, Fe-50Ni) und Wolfram-Schwermetalllegierungen.
"Welche Materialien eignen sich für MIM?" — Die gängigsten MIM-Materialien sind 316L und 17-4PH Edelstahl, niedriglegierte Stähle sowie weichmagnetische Fe-Si- und Fe-Ni-Legierungen. Titan und Hochtemperaturlegierungen sind eingeschränkt verfügbar.
| Material | Sintertemperatur | Typische Anwendungen |
|---|---|---|
| 316L (austenitisch) | 1360–1380 °C | Medizintechnik, Ventile, marine Bauteile |
| 17-4PH (ausscheidungshärtend) | 1300–1350 °C | Verriegelungen, Zahnräder, Sensoren |
| Fe-3Si (weichmagnetisch) | 1250–1300 °C | Magnetkerne, Relaisteile |
| Wolfram-Schwermetall | 1450–1500 °C | Auswuchtmassen, Strahlungsschutz |
Für Standard-Edelstähle und niedriglegierte Stähle erreicht MIM schmiedeäquivalente mechanische Eigenschaften bei 95–98 % Dichte. Detaillierte Werkstoffdaten finden Sie in unseren Materialdatenblättern.
Metallspritzguss entfaltet seinen wirtschaftlichen und technischen Vorteil bei Bauteilen, die gleichzeitig komplex geformt und in größeren Stückzahlen benötigt werden. Die Entscheidung für MIM wird durch drei Faktoren bestimmt: Bauteilkomplexität, jährliche Stückzahl und Bauteilgewicht.
"Wann lohnt sich MIM?" — MIM lohnt sich bei komplexer 3D-Geometrie (Hinterschneidungen, Querbohrungen), Bauteilgewicht unter 100 g und Jahresbedarf ab 10.000 Stück. Unterhalb dieser Schwelle sind CNC-Bearbeitung oder Feinguss wirtschaftlicher.
Typische Anwendungsbereiche für MIM-Bauteile:
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