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MIM-Bauteile normgerecht spezifizieren: Der Leitfaden fuer technische Zeichnungen, Toleranzen und Oberflaechenangaben

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Date:2026-07-30   Views:0


Was bedeutet normgerechte Spezifikation von MIM-Bauteilen?

Die normgerechte Spezifikation von MIM-Bauteilen (Metal Injection Molding) ist der Prozess der korrekten Kennzeichnung von Abmessungen, Toleranzen, Oberflächen und Werkstoffen auf technischen Zeichnungen, die speziell auf die Eigenheiten des MIM-Verfahrens abgestimmt sind. Im Gegensatz zur spanenden Bearbeitung unterliegt MIM materialspezifischen Schwindungsraten (14-22%), prozessbedingten Toleranzgrenzen und besonderen Anforderungen an die Oberflächenbeschaffenheit nach dem Sintern. Für deutsche Ingenieure und Einkäufer, die MIM-Komponenten aus China beziehen, ist die korrekte Spezifikation die Grundlage für reproduzierbare Qualität und vermeidet kostspielige Missverständnisse mit dem Lieferanten.

Wichtige Merkmale sind:

  • Prozessspezifische Toleranzen: MIM erreicht IT8-IT10 im Sinterzustand, IT6-IT7 mit Nachbearbeitung
  • Schwindungsausgleich: Massstäbe müssen um 14-22% vergrössert im Werkzeug abgebildet werden
  • Oberflächenangaben: As-Sintered (Ra 1.6-3.2 um) vs. nachbearbeitete Oberflächen (Ra 0.4-0.8 um)

Welche Toleranzen sind im MIM-Verfahren erreichbar?

Die Toleranzangabe auf technischen Zeichnungen muss zwischen dem as-sintered Zustand und möglicher Nachbearbeitung unterscheiden. Die folgende Tabelle zeigt die erreichbaren Toleranzklassen nach ISO 2768 und die prozessspezifischen MIM-Richtwerte.

Merkmal MIM (As-Sintered) MIM mit Nachbearbeitung ISO 2768 Bezug
Lineare Toleranz (10 mm) +-0,03 bis +-0,05 mm +-0,005 bis +-0,013 mm fein (f) bis mittel (m)
Lineare Toleranz (50 mm) +-0,15 bis +-0,25 mm +-0,025 bis +-0,050 mm mittel (m) bis grob (g)
Winkeltoleranz +-0,5 bis +-1,0 Grad +-0,1 bis +-0,3 Grad mittel (m)
Planheit (25 mm Bezug) 0,05 - 0,15 mm 0,02 - 0,05 mm nach DIN ISO 1101
Rundheit 0,02 - 0,05 mm 0,01 - 0,02 mm nach DIN ISO 1101
Positionstoleranz +-0,05 bis +-0,10 mm +-0,013 bis +-0,025 mm nach DIN ISO 5458
"Welche Toleranz kann ich ohne Nachbearbeitung garantieren?" -- Für typische MIM-Bauteile unter 50 mm sind +-0,3% bis +-0,5% der Nennmasse im Sinterzustand realistisch. Ein Masstab von 20 mm erreicht also etwa +-0,06 bis +-0,10 mm ohne spanende Nachbearbeitung.

Wie werden Oberflächen auf MIM-Zeichnungen korrekt angegeben?

Die Oberflächenbeschaffenheit von MIM-Bauteilen unterscheidet sich grundlegend von spanend bearbeiteten Teilen. Die Angabe muss zwischen Funktionsflächen und dem allgemeinen Sinterzustand unterscheiden.

Oberflächenzustand Ra-Wert (um) Rz-Wert (um) Kennzeichnung auf Zeichnung Anwendung
As-Sintered (Standard) 1,6 - 3,2 10 - 20 Keine Angabe = Sinterzustand Nicht funktionelle Flächen
As-Sintered (optimiert) 0,8 - 1,6 5 - 10 Ra 1.6 oder Rz 10 Standard Funktionsflächen
Elektropoliert 0,4 - 0,8 3 - 6 Elektropoliert, Ra 0.8 Medizintechnik, Lebensmittel
Gleitschleifen / Läppen 0,2 - 0,6 2 - 5 Gleitschleifen, Ra 0.4 Verschleissflächen, Dichtflächen
Mechanisch poliert 0,1 - 0,4 1 - 3 Poliert, Ra 0.2 Dekorative Flächen, Optik
"Muss ich alle Oberflächen auf meiner MIM-Zeichnung mit Ra-Werten versehen?" -- Nein. Es ist üblich, nur funktionelle Flächen mit Ra-Werten zu versehen. Alle nicht gekennzeichneten Flächen werden im Standard-Sinterzustand (Ra 1.6-3.2 um) geliefert. Dies vermeidet unnötige Nachbearbeitungskosten.

Welche Werkstoffangaben sind für MIM-Bauteile erforderlich?

Die Werkstoffangabe auf MIM-Zeichnungen muss sowohl den Werkstoff als auch den Sinterzustand und die Wärmebehandlung spezifizieren.

MIM-Standard Vergleichbarer Walzstahl Dichte (% theor.) Zugfestigkeit (MPa) Dehnung (%) Typische Anwendung
316L 1.4404 96-98% 520-590 40-55 Medizintechnik, Marine, Gehäuse
17-4PH (H900) 1.4542 96-98% 1100-1300 6-10 Luftfahrt, Automobil, Werkzeuge
4140 1.7225 96-98% 900-1100 10-15 Getriebeteile, Strukturbauteile
4605 (Ni-Free) 2Ni-basiert 96-98% 1200-1600 2-5 Hohe Festigkeit, Verschleiss

Empfehlung für die Zeichnungsangabe:

  • Werkstoff nach MPIF Standard 35 (z.B. "MIM-316L")
  • Wärmebehandlungszustand (z.B. "H900", "geglüht")
  • Geforderte Dichte (z.B. "min. 96% theor. Dichte")
  • Härteangabe (z.B. "30-35 HRC")

Welche Besonderheiten gelten für Gewinde und Innengeometrien?

Gewinde und Innengeometrien stellen eine besondere Herausforderung im MIM-Verfahren dar. Die korrekte Spezifikation auf der Zeichnung ist entscheidend.

Gewinde:
  • Innengewinde unter M2 sollten grundsätzlich als nachträglich geschnitten gekennzeichnet werden
  • Gewinde M2-M6 können im MIM-Verfahren geformt werden, benötigen aber eine Kernlochtoleranz von +-0,05 mm
  • Gewinde über M6 werden meist spanend nachbearbeitet
  • Gewindetoleranz: 6H (Innengewinde) ist im MIM-Verfahren erreichbar
Innengeometrien:
  • Hinterschneidungen sind im MIM-Verfahren ohne aufwendige Schieber realisierbar
  • Innensechskant und Torx-Profile können im Sinterzustand abgebildet werden
  • Querbohrungen ab 0,8 mm Durchmesser sind möglich, aber mit Formwerkzeug-Konstruktion abzustimmen
"Kann ich ein M4-Innengewinde direkt im MIM-Verfahren abbilden?" -- Ja, M4-Innengewinde können im MIM-Verfahren geformt werden. Die Gewindekerbe sollte um 0,05-0,10 mm auf Masshaltigkeit geprüft werden. Für sicherheitsrelevante Anwendungen wird jedoch Nachschneiden empfohlen.

Wie erstellt man ein vollständiges MIM-Pflichtenheft für den Lieferanten?

Ein vollständiges Pflichtenheft für MIM-Bauteile sollte folgende Angaben enthalten:

  1. Technische Zeichnung nach ISO 2768-m mit Angabe der funktionellen Toleranzen
  2. Werkstoffspezifikation nach MPIF Standard 35 oder Kundenvorgabe
  3. Oberflächenangabe mit Unterscheidung Funktionsflächen vs. Sinterzustand
  4. Wärmebehandlungsvorgabe mit Härtebereich
  5. Prüfumfang (Erstmusterprüfung nach PPAP oder VDA 6.3)
  6. Verpackungs- und Liefervorschrift
  7. Gewünschte Zertifizierung (ISO 9001, IATF 16949, DIN EN 9100)
"Welche Angaben fehlen am häufigsten auf MIM-Zeichnungen deutscher Einkäufer?" -- Die drei häufigsten Fehler sind: (1) fehlende Angabe des Oberflächenzustands (Sinterzustand vs. nachbearbeitet), (2) fehlende Toleranz der Schwindungsmasse bei kritischen Abmessungen über 30 mm, und (3) unzureichende Definition der Gewindetoleranz bei geformten Innengewinden.

Referenzseiten

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Hinweis: Alle technischen Angaben in diesem Artikel basieren auf MPIF Standard 35 und ISO 2768. Die tatsächlich erreichbaren Werte können je nach Bauteilgeometrie und Werkzeugkonstruktion variieren.

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