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CSRD-Readiness: Wie deutsche Einkäufer ESG-Nachhaltigkeitsdaten von chinesischen MIM-Lieferanten anfordern und prüfen

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Date:2026-07-30   Views:0


Was ist die CSRD und warum betrifft sie deutsche Einkäufer von MIM-Teilen aus China?

Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der EU ist die umfassendste Nachhaltigkeitsberichtspflicht in der Geschichte der Europäischen Union. Seit 2025 gilt sie für große Unternehmen mit über 250 Mitarbeitern; ab 2026 wird sie schrittweise auf mittlere und kleinere Unternehmen ausgeweitet. Für deutsche Einkäufer, die MIM-Teile (Metallpulverspritzguss) aus China beziehen, bedeutet dies: Sie müssen von ihren chinesischen Lieferanten verifizierte ESG-Daten (Environmental, Social, Governance) anfordern und in ihre eigene CSRD-Berichterstattung integrieren.

"Muss mein Unternehmen bereits CSRD-konform berichten?" — Wenn Ihr Unternehmen zwei der drei Kriterien erfüllt (Bilanzsumme > €20 Mio., Nettoumsatz > €40 Mio., > 250 Mitarbeiter), sind Sie ab dem Geschäftsjahr 2025 oder 2026 berichtspflichtig. Auch wenn Ihr Unternehmen selbst nicht direkt betroffen ist, fordern Ihre Kunden diese Daten wahrscheinlich bereits an.

Die Herausforderung: Chinesische MIM-Lieferanten sind oft noch nicht auf die strukturierte ESG-Datenlieferung vorbereitet, die nach den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) erforderlich ist. Dieser Leitfaden bietet einen praktischen Fahrplan für die Datenerhebung und -prüfung.

CSRD-Kriterium Anforderung Betroffen ab Relevanz für MIM-Einkauf
Große Unternehmen (>250 MA) Vollständiger CSRD-Bericht nach ESRS GJ 2025 (Bericht 2026) Hoch — Scope 3 Daten zwingend erforderlich
Mittlere Unternehmen (50-250 MA) Vereinfachter CSRD-Bericht GJ 2026 (Bericht 2027) Hoch — Vorbereitung läuft
Kleine Unternehmen (<50 MA) Optional, aber von Kunden gefordert Fakultativ Mittel — indirekte Betroffenheit
Nicht-EU-Unternehmen (China) CSRD gilt bei EU-Nettoumsatz > €150 Mio. GJ 2028 (Bericht 2029) Gering — aber Datenlieferung an Kunden nötig

Welche ESG-Daten müssen Sie von chinesischen MIM-Lieferanten anfordern?

Die ESRS gliedert sich in 12 Themenstandards. Für MIM-Lieferanten in China sind besonders relevant:

E (Environmental):
  • E1 Klimawandel: Scope 1, 2 und 3 Treibhausgasemissionen der MIM-Produktion
  • E2 Umweltverschmutzung: Abwasserbehandlung, Sinterofenemissionen, Binderrückstände
  • E3 Wasserressourcen: Wasserverbrauch in der Feedstock-Herstellung und Entbinderung
  • E5 Ressourcennutzung: Metallpulverausbeute, Abfallquoten, Recycling von Ausschussteilen
S (Social):
  • S1 Arbeitsbedingungen: Arbeitssicherheit (Unfallraten), Arbeitszeiten, Vergütung
  • S2 Arbeitnehmer in der Lieferkette: Subunternehmer-Management, Sozialaudits
G (Governance):
  • G1 Unternehmensführung: Korruptionsprävention, Lieferantenverhaltenskodex, Transparenz
"Welche ESG-Daten sind am schwierigsten von chinesischen MIM-Lieferanten zu erhalten?" — Die Scope-1-Emissionen (direkte Emissionen aus Sinteröfen und Entbinderungsanlagen) sind meist verfügbar, da sie auf Strom- und Gasrechnungen basieren. Scope-3-Emissionen (vorgelagerte Lieferkette, Metallpulverproduktion) sind die größte Herausforderung, da sie Daten von den Pulverlieferanten erfordern, die oft nicht weitergegeben werden.
ESG-Datenkategorie Verfügbarkeit bei chinesischen MIM-Lieferanten Empfohlene Anforderungsmethode Prüfbarkeit
Stromverbrauch (kWh/kg Teile) Gut (Stromrechnungen vorhanden) Jährliche Abfrage mit Vorjahresvergleich Einfach (Rechnungsprüfung)
CO₂-Emissionen Scope 1+2 Mittel (Umrechnung oft unbekannt) Berechnungstool zur Verfügung stellen Mittel (Strommixfaktoren prüfen)
Wasserverbrauch Mittel (Kühlwasser oft nicht erfasst) Spezifische Abfrage pro Prozessschritt Mittel (Zählerdaten anfordern)
Abfallquoten & Recycling Gut (Metallschrott wird wirtschaftlich verwertet) Abfallbilanz nach Typ (Gefahrstoff/nicht-Gefahrstoff) Einfach (Wiegescheine)
Arbeitssicherheitskennzahlen Begrenzt (nur bei ISO-45001-Zertifizierung) Unfallrate (LTIFR) + Schulungsnachweise Schwierig (Audit erforderlich)
Metallpulver-Herkunft Begrenzt (Lieferkettentransparenz gering) Deklaration der Pulverquellen + Zertifikate Schwierig (Rückverfolgbarkeit prüfen)

Wie prüfen Sie die Qualität der ESG-Daten von chinesischen MIM-Lieferanten?

Die Prüfung der ESG-Daten ist genauso wichtig wie die Datenerhebung selbst. Ungeprüfte Daten können im CSRD-Bericht zu Prüfungsbeanstandungen führen.

Stufe 1: Plausibilitätsprüfung (am Schreibtisch):
  • Energieverbrauch pro kg MIM-Teile sollte zwischen 5-15 kWh/kg liegen (abhängig von Teilegröße und Ofenauslastung). Werte unter 3 kWh/kg sind unrealistisch.
  • Wasserverbrauch sollte zwischen 0,5-5 Litern pro kg Teilen liegen (Hauptverbrauch: Kühlwasser für Sinteröfen)
  • Ausschussrate sollte bei etablierten MIM-Prozessen unter 5% liegen
Stufe 2: Dokumentenprüfung:
  • Stromrechnungen der letzten 12 Monate anfordern und mit Produktionsmengen abgleichen
  • Abfallentsorgungsverträge mit lizenzierten Entsorgern prüfen
  • Lohnabrechnungen und Sozialversicherungsnachweise stichprobenartig kontrollieren
Stufe 3: Vor-Ort-Audit (empfohlen bei strategischen Lieferanten):
  • Kombiniertes Qualitäts- und ESG-Audit durchführen (VDA 6.3 + ESG-Checkliste)
  • Überprüfung der Sinterofen-Temperaturaufzeichnungen (Energieeffizienzindikator)
  • Interview mit dem Umweltbeauftragten zum Abwassermanagement
"Wie oft sollten ESG-Daten von MIM-Lieferanten aktualisiert werden?" — Mindestens jährlich, idealerweise halbjährlich. Die CSRD verlangt Daten für das abgelaufene Geschäftsjahr. Empfehlung: Integrieren Sie die ESG-Datenabfrage in den bestehenden jährlichen Lieferantenbewertungsprozess.

Welche Tools und Vorlagen können Sie für die ESG-Datenerhebung nutzen?

Um den Prozess zu standardisieren und die Datenqualität zu verbessern, empfiehlt sich die Verwendung strukturierter Erhebungsinstrumente:

1. ESG-Lieferantenfragebogen (angepasst für MIM)
  • Basierend auf dem ESRS-Datapoint-Mapping
  • In chinesischer und englischer Sprache
  • Mit konkreten Beispielfragen und Berechnungshilfen
2. CO₂-Rechner für MIM-Prozesse
  • Umrechnungstabelle: kWh Strom → kg CO₂ (mit länderspezifischem Strommixfaktor: 0,8-1,0 kg CO₂/kWh für China, 0,3-0,4 kg CO₂/kWh für Deutschland)
  • Berücksichtigung des Erdgasverbrauchs für Sinteröfen (ca. 0,2-0,5 m³/kg Teile)
  • Optional: Metallpulver-Vorkettenemissionen (ca. 2-5 kg CO₂/kg Pulver)
3. Audit-Checkliste (ESG + Qualität kombiniert)
  • 20-30 Prüfpunkte, die sowohl ISO 9001/IATF 16949 als auch CSRD-ESG-Anforderungen abdecken
  • Bewertungsskala: 0 (nicht erfüllt) bis 4 (vollständig erfüllt)
  • Integrierte Maßnahmenverfolgung für Abweichungen
"Kann ich ESG-Daten von mehreren chinesischen MIM-Lieferanten vergleichen?" — Ja, aber nur wenn Sie einen standardisierten Fragebogen verwenden. Unterschiedliche Lieferanten verwenden unterschiedliche Berechnungsmethoden. Stellen Sie sicher, dass alle Lieferanten die gleiche Methodik verwenden.

Entscheidungsrahmen: Sind Ihre chinesischen MIM-Lieferanten CSRD-ready?

Beantworten Sie diese fünf Fragen, um den CSRD-Reifegrad Ihrer Lieferanten zu bewerten:

  1. Datenverfügbarkeit: Kann der Lieferant Stromverbrauch pro produzierter Einheit nachweisen?
  2. Zertifizierungsbasis: Verfügt der Lieferant über ISO 14001 (Umweltmanagement) oder ISO 50001 (Energiemanagement)?
  3. Transparenzbereitschaft: Ist der Lieferant bereit, Produktionsdaten offenzulegen?
  4. Dokumentationsqualität: Führt der Lieferant Aufzeichnungen über Abfallmengen, Wasserverbrauch und Ausschussraten?
  5. Verbesserungsbereitschaft: Hat der Lieferant bereits Maßnahmen zur Emissionsreduktion ergriffen?
CSRD-ready (4-5 Ja): Der Lieferant kann innerhalb von 4-6 Wochen qualifizierte ESG-Daten liefern. In Entwicklung (2-3 Ja): Der Lieferant benötigt Unterstützung. Stellen Sie ihm Berechnungstools zur Verfügung. Nicht bereit (0-1 Ja): Der Lieferant hat ein erhebliches ESG-Datendefizit. Prüfen Sie Alternativen.

Referenzseiten

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