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MIM-Bauteile nach DIN-Norm: Toleranzen, Oberflächengüte und Passungen für deutsche Industrieanwendungen

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Date:2026-07-29   Views:0


Welche DIN-Normen gelten für MIM-Bauteile in der deutschen Industrie?

MIM-Bauteile (Metallpulverspritzguss) unterliegen in Deutschland einem breiten Spektrum an DIN-Normen, die Toleranzen, Oberflächengüte, Materialeigenschaften und Prüfverfahren definieren. Für deutsche Einkäufer und Ingenieure ist die Kenntnis dieser Normen entscheidend, um MIM-Komponenten aus China korrekt zu spezifizieren, zu bewerten und abzunehmen.

Die wichtigsten DIN-Normen für MIM-Bauteile umfassen:

  • DIN ISO 2768: Allgemeintoleranzen für Längen- und Winkelmaße
  • DIN EN 10088: Nichtrostende Stähle (Werkstoffnummern, mechanische Eigenschaften)
  • DIN 16742: Toleranzen für Kunststoff- und Metallpulverspritzgussteile (die spezifischste MIM-Norm)
  • DIN ISO 13715: Kantenbezeichnung für Gussteile und gesinterte Teile
  • DIN EN 10204: Arten von Prüfbescheinigungen (Werkszeugnis 2.1, Abnahmeprüfzeugnis 3.1)
"Welche DIN-Norm ist die wichtigste für MIM-Bauteile?" — DIN 16742 ist die spezifischste Norm für Toleranzen von Spritzgussteilen aus Metallpulver. Sie definiert drei Toleranzklassen (fein, mittel, grob) und ist das Referenzdokument für die Bemaßung von MIM-Zeichnungen im deutschen Sprachraum.

Welche Toleranzklassen nach DIN 16742 sind für MIM-Bauteile erreichbar?

DIN 16742 unterteilt Spritzgussteile in drei Toleranzklassen. Für MIM-Bauteile gelten folgende Richtwerte:

Toleranzklasse nach DIN 16742Typische MIM-GenauigkeitAnwendungZusätzliche Bearbeitung
Klasse A (fein)±0,2% bis ±0,3% des MaßesPräzisionskomponenten (Getriebeteile, medizinische Instrumente)Kann Nachbearbeitung erfordern
Klasse B (mittel)±0,3% bis ±0,5% des MaßesStandard-MIM-Teile (Gehäuse, Halterungen, Verschlüsse)In der Regel ausreichend ohne Nacharbeit
Klasse C (grob)±0,5% bis ±1,0% des MaßesFunktionsteile mit geringeren AnforderungenKeine Nacharbeit erforderlich

Für ein typisches MIM-Bauteil mit 20 mm Nennmaß bedeutet dies:

  • Klasse A: ±0,04 bis ±0,06 mm
  • Klasse B: ±0,06 bis ±0,10 mm
  • Klasse C: ±0,10 bis ±0,20 mm
"Kann MIM dieselben Toleranzen erreichen wie CNC-Bearbeitung?" — MIM erreicht typischerweise IT8-IT10 nach DIN ISO 286, während CNC-Bearbeitung IT6-IT8 erzielt. Für enge Toleranzen unter IT8 sind MIM-Teile häufig mit einer sekundären CNC-Kalibrierung auf den kritischen Flächen ausgestattet.

Welche Oberflächengüte ist bei MIM-Bauteilen nach DIN-Norm erreichbar?

Die Oberflächengüte von MIM-Bauteilen wird in der Regel nach DIN EN ISO 21920 (Oberflächenbeschaffenheit) spezifiziert.

ZustandMittlere Rautiefe RaRautiefe RzNach DIN 16742 Klasse
Gesintert (Standard)1,6 – 3,2 μm8 – 16 μmB (mittel)
Gesintert (optimiert)0,8 – 1,6 μm4 – 8 μmA (fein)
Vibrationsgeschliffen0,4 – 0,8 μm2 – 4 μmA+
Galvanisch beschichtet0,2 – 0,8 μm1 – 4 μmA+
CNC-nachbearbeitet0,4 – 1,6 μm2 – 8 μmA+

Die Oberflächengüte im gesinterten Zustand ist für viele Anwendungen ausreichend. Für dichtere Oberflächen oder dekorative Anforderungen stehen Nachbearbeitungsverfahren zur Verfügung.

Welche Passungen nach DIN ISO 286 sind mit MIM realisierbar?

MIM-Bauteile können Passungen nach dem ISO-Toleranzsystem (DIN ISO 286) erreichen, jedoch mit Einschränkungen:

PassungsartISO-CodeMIM-ErreichbarkeitHinweis
Spielpassung (großes Spiel)H11/c11, H11/d11Direkt sinterbarKeine Nacharbeit
Spielpassung (mittleres Spiel)H9/d9, H9/e9Direkt sinterbarProzessoptimierung erforderlich
Spielpassung (enger Spiel)H8/f7, H7/g6Nur mit KalibrierungNachbearbeitung oder Kalibrierschlag empfohlen
ÜbergangspassungH7/k6, H7/m6Nur mit CNC-NachbearbeitungPräzisionsfläche(n) nachbearbeiten
PresspassungH7/p6, H7/s6Nur mit CNC-NachbearbeitungMaßhaltigkeit durch Nacharbeit sicherstellen
"Welche Passung kann MIM ohne Nachbearbeitung erreichen?" — MIM erreicht ohne Nachbearbeitung zuverlässig Passungen bis H9/d9 (DIN ISO 286). Für engere Passungen wie H8/f7 oder H7/g6 ist eine sekundäre Kalibrierung oder CNC-Nachbearbeitung der kritischen Funktionsflächen erforderlich.

Wie prüft man die Maßhaltigkeit von MIM-Bauteilen nach DIN-Norm?

Die Qualitätssicherung für MIM-Bauteile umfasst mehrere Prüfschritte, die in der DIN-Normenreihe definiert sind:

1. Maßprüfung nach DIN ISO 2768
  • Allgemeintoleranzen für Längen- und Winkelmaße
  • Toleranzklassen: f (fein), m (mittel), g (grob), v (sehr grob)
  • Für MIM-Standardteile wird Klasse m oder g verwendet
2. Prüfbescheinigung nach DIN EN 10204
  • Werkszeugnis 2.1: Bestätigung der Konformität ohne Prüfwerte
  • Abnahmeprüfzeugnis 3.1: Mit Prüfwerten und Werksunterschrift
  • Abnahmeprüfzeugnis 3.2: Mit externer Prüfstelle (z.B. TÜV, DEKRA)
3. Dichteprüfung
  • Archimedisches Prinzip (DIN EN 623-2)
  • Metallografische Analyse zur Porenstrukturbewertung
4. Mechanische Prüfung nach DIN EN ISO 6892
  • Zugfestigkeit, Streckgrenze, Bruchdehnung
  • Härteprüfung nach DIN EN ISO 6508 (Rockwell) oder DIN EN ISO 6507 (Vickers)

Welche Materialnormen gelten für MIM-Werkstoffe?

MIM-Werkstoffe werden nach DIN EN 10088 (nichtrostende Stähle) und MPIF Standard 35 (MIM-Materialspezifikation) klassifiziert.

MIM-WerkstoffDIN-WerkstoffnummerTypische AnwendungZugfestigkeit (MPa)Härte
MIM-316L1.4404Chemieindustrie, Medizintechnik, Gehäuse480-550130-150 HB
MIM-17-4PH1.4542Automobil, Luftfahrt, hochfeste Komponenten900-1100 (ausgehärtet)35-42 HRC
MIM-41401.7225Getriebeteile, hochbeanspruchte Bauteile800-100028-36 HRC
MIM-430L1.4016Magnetische Komponenten, Sensorgehäuse380-450110-130 HB
MIM-Ti6Al4V3.7165Luftfahrt, Medizintechnik, Leichtbau800-95030-36 HRC
"Entspricht MIM-316L der DIN-Werkstoffnummer 1.4404?" — Ja, MIM-316L entspricht der DIN-Werkstoffnummer 1.4404. Die mechanischen Eigenschaften erreichen 90-98% der Werte des gewalzten Materials, abhängig von der Sinterdichte. Für korrosive Umgebungen ist eine Dichte von mindestens 96% erforderlich.

Planare Toleranzen und Formtoleranzen für MIM-Bauteile nach DIN ISO 1101

Form- und Lagetoleranzen nach DIN ISO 1101 sind für MIM-Bauteile besonders wichtig, da der Sinterschrumpfung von etwa 15-20% zu Verzug führen kann.

Typische Richtwerte für MIM-Formtoleranzen (Klasse B, mittel):

  • Ebenheit: 0,05-0,15 mm pro 25 mm
  • Parallelität: 0,08-0,20 mm
  • Rundheit: 0,05-0,15 mm (abhängig vom Durchmesser)
  • Zylindrizität: 0,08-0,20 mm
Diese Werte gelten für den gesinterten Zustand ohne Nacharbeit. Durch Kalibrierung oder Sinterkorrektur können engere Formtoleranzen erreicht werden.

Wie spezifiziert man MIM-Bauteile auf der Zeichnung nach DIN-Norm?

Eine korrekt bemaßte MIM-Zeichnung sollte folgende Angaben enthalten:

  1. Werkstoff nach DIN EN 10088 (z.B. 1.4404 / MIM-316L)
  2. Toleranzklasse nach DIN 16742 (z.B. DIN 16742 Klasse B)
  3. Allgemeintoleranzen nach DIN ISO 2768 (z.B. DIN ISO 2768-m)
  4. Oberflächenangabe nach DIN EN ISO 21920 (z.B. Ra 3,2)
  5. Sinterdichte in % der theoretischen Dichte
  6. Wärmebehandlung falls erforderlich (z.B. ausgehärtet H900)
  7. Prüfbescheinigung nach DIN EN 10204 (z.B. 3.1)

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