Date:2026-07-31 Views:0
Der MIM-Werkstoff 17-4PH (Metallpulverspritzgießen mit martensitischem Edelstahl) erreicht eine Zugfestigkeit von 980 MPa nach dem Sintern und der Wärmebehandlung. Dieser Werkstoff ist ein ausscheidungsgehärteter Edelstahl mit der Werkstoffnummer 1.4542, der sich durch hohe Festigkeit und gute Korrosionsbeständigkeit auszeichnet. Im MIM-Verfahren (Metallpulverspritzgießen) wird feines Metallpulver mit einem Bindemittel gemischt, zu einem Grünling gespritzt, entbindert und anschließend gesintert. Das Ergebnis sind dichte Präzisionsbauteile mit einer Dichte von über 95% der theoretischen Dichte. Die Kombination aus MIM und 17-4PH ermöglicht komplexe Geometrien, die mit konventionellen Verfahren wie Feinguss oder CNC nur schwer oder teurer herstellbar sind.
Die Zugfestigkeit von 980 MPa wird durch eine gezielte Wärmebehandlung nach dem Sintern erreicht: Lösungsglühen bei 1040 °C, Abschrecken und anschließendes Anlassen bei 480–620 °C. Dabei bilden sich fein verteilte Kupferausscheidungen, die die Härte auf 31–34 HRC erhöhen. Die Dehnung liegt je nach Anlasstemperatur zwischen 6 % und 12 %, was sowohl für statische als auch dynamische Belastungen ausreicht. Tabelle 1 fasst die mechanischen Eigenschaften des MIM-Werkstoffs 17-4PH zusammen.
| Eigenschaft | Wert | Einheit | Prüfnorm |
|---|---|---|---|
| Zugfestigkeit | 980–1070 | MPa | DIN EN ISO 6892-1 |
| 0,2 %-Dehngrenze | 780–900 | MPa | DIN EN ISO 6892-1 |
| Bruchdehnung | 6–12 | % | DIN EN ISO 6892-1 |
| Härte | 31–34 | HRC | DIN EN ISO 6508-1 |
| Dichte (gesintert) | ≥ 7,5 | g/cm³ | Archimedisches Prinzip |
| Korrosionsbeständigkeit | gut bis sehr gut (ähnlich 316L) | – | Salzsprühtest nach DIN EN ISO 9227 |
Die Herstellung von MIM-Bauteilen aus 17-4PH erfordert präzise Prozessparameter, um die angestrebte Zugfestigkeit von 980 MPa zuverlässig zu erreichen. Der gesamte Prozess gliedert sich in vier Hauptschritte: Compoundierung, Spritzguss, Entbindern und Sintern. Jeder Schritt beeinflusst die spätere Materialdichte und das Gefüge.
Compoundierung: Feines 17-4PH-Pulver (Partikelgröße D50 = 10–20 µm) wird mit einem thermoplastischen Bindemittel (z. B. auf Polyacetal-Basis) im Volumenverhältnis von etwa 60:40 gemischt. Die Mischung wird granuliert.
Spritzguss: Der Granulat wird bei 170–190 °C gespritzt. Die Werkzeugtemperatur liegt bei 50–70 °C. Drücke von 800–1200 bar sind üblich.
Entbindern: Das Bindemittel wird thermisch oder katalytisch entfernt. Bei katalytischer Entbinderung mit Salpetersäure bei 120 °C sinkt die Restbindemittelmenge auf unter 0,5 %.
Sintern: Der entbinderte Grünling wird in einem Vakuum- oder Schutzgasofen gesintert. Die Sintertemperatur beträgt 1300–1350 °C bei einer Haltezeit von 60–120 Minuten. Der Schrumpf liegt zwischen 15 % und 20 % linear. Anschließend erfolgt die Wärmebehandlung (Lösungsglühen + Anlassen).
Tabelle 2 zeigt die kritischen Prozessparameter und deren Toleranzbereiche.
| Prozessschritt | Parameter | Sollwert | Toleranz |
|---|---|---|---|
| Spritzguss | Massetemperatur | 180 °C | ±5 °C |
| Spritzguss | Einspritzdruck | 1000 bar | ±100 bar |
| Katalytisches Entbindern | Temperatur | 120 °C | ±5 °C |
| Katalytisches Entbindern | Zeit | 4 h | ±0,5 h |
| Sintern | Spitzentemperatur | 1325 °C | ±15 °C |
| Sintern | Haltezeit | 90 min | ±15 min |
| Wärmebehandlung | Lösungsglühtemperatur | 1040 °C | ±10 °C |
| Wärmebehandlung | Anlasstemperatur | 550 °C | ±10 °C |
Die Zugfestigkeit von 980 MPa ist das Ergebnis einer Kombination aus hoher Sinterdichte und optimierter Wärmebehandlung. Nach dem Sintern liegt die Dichte typischerweise bei 95–98 % der theoretischen Dichte von 7,8 g/cm³. Poren, die die Festigkeit reduzieren, werden durch das feine Pulver und die lange Sinterzeit minimiert. Die ausscheidungshärtende Wärmebehandlung bewirkt, dass Kupfer in der Matrix fein verteilt ausgeschieden wird. Diese Ausscheidungen blockieren die Versetzungsbewegung und erhöhen die Streckgrenze und Zugfestigkeit.
Vergleicht man die MIM-Variante mit einem geschmiedeten 17-4PH, so erreicht das MIM-Bauteil etwa 90–95 % der Festigkeit des Schmiedestücks bei deutlich höherer Gestaltungsfreiheit. Die Dehnung von 6–12 % ist für die meisten technischen Anwendungen ausreichend. Die Kerbschlagzähigkeit liegt bei etwa 40–60 J (ISO V-Kerb) und kann durch angepasste Anlasstemperatur verbessert werden. Für dynamisch belastete Bauteile (z. B. Federelemente) ist eine niedrigere Anlasstemperatur (480 °C) vorteilhaft, die eine höhere Festigkeit, aber geringere Dehnung liefert.
Der MIM-Werkstoff 17-4PH mit 980 MPa Zugfestigkeit konkurriert mit Bauteilen aus Feinguss oder CNC. Feinguss (Investitionsguss) kann ebenfalls 17-4PH verarbeiten, erreicht jedoch oft eine etwas geringere Dichte (94–96 %) und erfordert aufwändige Nacharbeit für enge Toleranzen. CNC-Fräsen aus Vollmaterial liefert höchste Festigkeit (da keine Poren), ist aber für komplexe Geometrien und große Stückzahlen unwirtschaftlich. Tabelle 3 stellt die drei Verfahren gegenüber.
| Kriterium | MIM (17-4PH) | Feinguss (17-4PH) | CNC (aus Vollmaterial) |
|---|---|---|---|
| Zugfestigkeit | 980–1070 MPa | 900–1000 MPa | 1000–1200 MPa |
| Dichte | ≥ 95 % | 94–96 % | 100 % |
| Typische Toleranz | ±0,05 mm | ±0,15 mm | ±0,01 mm |
| Wirtschaftliche Stückzahl | 1.000–100.000 | 100–10.000 | 1–1.000 |
| Werkzeugkosten | mittel (5.000–20.000 €) | niedrig (1.000–5.000 €) | keine |
| Komplexität | sehr hoch | hoch | mittel |
| Oberflächengüte (Ra) | 0,8–1,6 µm | 1,6–6,3 µm | 0,2–0,8 µm |
Dank der hohen Zugfestigkeit von 980 MPa und der guten Korrosionsbeständigkeit wird MIM-17-4PH in anspruchsvollen Branchen eingesetzt. In der Medizintechnik findet man chirurgische Instrumente wie Greifer, Schäfte und Schneidklingen. Im Automobilbau werden Einspritzdüsen, Getriebe-Schaltgabeln und Sensorsockel aus diesem Werkstoff gefertigt. Auch in der Luftfahrt kommt 17-4PH für Befestigungselemente und kleine Strukturbauteile zum Einsatz, wo Gewichtsreduzierung und Zuverlässigkeit entscheidend sind.
Bauteilbeispiel: Ein MIM-gesinterter Schalthebel für ein hydraulisches Ventil wog vorher 45 g im Feinguss. Durch MIM konnte das Gewicht auf 32 g reduziert werden (Wandstärke von 2,5 mm auf 1,8 mm) bei gleicher Festigkeit. Die Bauteilkosten sanken um 30 % bei einer Stückzahl von 20.000 pro Jahr.
Frage: Ist die Zugfestigkeit von 980 MPa für alle MIM-17-4PH-Bauteile garantiert?
Antwort: Die Zugfestigkeit hängt stark von den Sinter- und Wärmebehandlungsparametern ab. Mit optimierten Prozessen (Dichte ≥ 95 %, Anlassen bei 550 °C) kann die Mindestzugfestigkeit von 980 MPa zuverlässig erreicht werden. Abweichungen in der Pulverqualität oder Ofenatmosphäre können zu Streuungen führen.
Frage: Kann 17-4PH im MIM-Verfahren auch mit höherer Zugfestigkeit hergestellt werden?
Antwort: Ja, durch eine niedrigere Anlasstemperatur (480 °C) kann die Zugfestigkeit auf über 1100 MPa gesteigert werden, allerdings sinkt die Dehnung auf unter 5 %. Für dehnungsarme Anwendungen (z. B. Werkzeugbauteile) ist dies möglich.
Frage: Welche Kosten verursacht ein MIM-Bauteil aus 17-4PH im Vergleich zu CNC?
Antwort: Bei Stückzahlen über 5.000 ist MIM in der Regel günstiger. Ein typisches Bauteil von 15 g kostet in MIM 0,50–0,80 € pro Stück, während CNC-Maschinen ab 2,00 € pro Stück liegen. Zudem entfällt bei MIM die aufwändige Spanbearbeitung.
Der MIM-Werkstoff 17-4PH mit einer Zugfestigkeit von 980 MPa ist die optimale Lösung für Bauteile, die hohe Festigkeit, Korrosionsbeständigkeit und komplexe Geometrien erfordern – bei mittleren bis großen Stückzahlen (1.000–100.000). Gegenüber Feinguss bietet MIM engere Toleranzen und eine bessere Oberflächengüte. Gegenüber CNC punktet MIM mit niedrigeren Stückkosten ab einer bestimmten Menge. Für Prototypen oder Stückzahlen unter 1.000 bleibt CNC wirtschaftlicher. Entscheider sollten die Gesamtkosten über die Bauteillebensdauer betrachten.
Weitere Informationen zu MIM-Designregeln und Werkstoffdatenblättern finden Sie in unserem MIM-Konstruktionsleitfaden und der 17-4PH-Werkstoffseite.
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