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Die 4 besten Methoden zur Entgratung und Oberflächenbearbeitung von MIM-Präzisionsteilen

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Date:2026-07-31   Views:0


MIM-Präzisionsteile (Metal Injection Molding, Metallpulverspritzgießen) werden durch Spritzgießen eines Metallpulver-Bindemittel-Gemischs und anschließendes Sintern hergestellt. An Trennebenen, Angussstellen und Innenkanten entstehen jedoch häufig Grate, die Funktion und Korrosionsbeständigkeit der Bauteile beeinträchtigen. Die Entgratung und Oberflächenbearbeitung ist daher ein unverzichtbarer Prozessschritt. Dieser Fachartikel vergleicht vier etablierte Verfahren mit konkreten Prozessparametern, erzielbaren Rauheiten und wirtschaftlichen Eckdaten.

Fertigungsingenieure stehen vor der Frage, welche Methode für ein bestimmtes MIM-Präzisionsteil am besten geeignet ist. Die Auswahl hängt von Werkstoff, Bauteilgeometrie, Stückzahl und geforderter Kantenqualität ab. Die folgenden Abschnitte liefern die entscheidungsrelevanten Daten.

Was bedeutet Entgratung bei MIM-Präzisionsteilen?

Unter Entgratung versteht man das gezielte Entfernen von dünnen Materialüberständen, die beim Sintern oder an Werkzeugtrennlinien entstehen. Bei MIM-Präzisionsteilen treten typische Grate an der Formtrennebene auf. Die typische Dicke solcher Grate liegt im Bereich von 0,02 mm bis 0,15 mm, abhängig von Sintertemperatur und Werkzeugzustand.

Die Oberflächenbearbeitung ergänzt die reine Entgratung um Glättung und Verrundung. Zielgrößen sind in der Regel die Kantenqualität nach ISO 13715 sowie die Rauheit Ra nach ISO 4287. Je nach Anwendung sind Kantenradien von 0,1 mm bis 0,5 mm und Rauheiten von Ra 0,2 µm bis 1,6 µm gefordert.

Methode 1 – Thermisches Entgraten

Das thermische Entgraten (TEM) nutzt eine definierte Gasreaktion in einer Druckkammer. Das Bauteil wird kurzzeitig auf Temperaturen zwischen 300 °C und 600 °C erhitzt. Der Kammerdruck liegt dabei bei 30 bis 100 bar. Die Zündung eines Brenngas-Sauerstoff-Gemischs verbrennt die dünnen Grate explosionsartig innerhalb von 1 bis 3 Sekunden.

Vorteile liegen in der vollständigen Erfassung auch komplexer Innenkanten. Nachteilig wirken sich thermische Randzonen und eine leichte Oxidation, die anschließend gestrahlt werden muss, aus. Für MIM-Präzisionsteile aus Edelstahl 316L oder 17-4PH ist TEM ein standardisiertes Verfahren.

Methode 2 – Elektrochemisches Entgraten

Beim elektrochemischen Entgraten (ECM) wird das Werkstück als Anode geschaltet und gezielt an der Gratkante elektrolytisch abgetragen. Typische Parameter sind eine Spannung von 5 bis 20 V und eine Stromdichte von 0,5 bis 2 A/cm². Als Elektrolyt dient meist eine wässrige Natriumnitratlösung (NaNO3) mit einer Konzentration von etwa 20 %.

Die Bearbeitungszeit pro Bauteil liegt bei 10 bis 60 Sekunden. Das Verfahren erzeugt einen sauberen, definierten Kantenradius ohne mechanische Spannungen. Es eignet sich besonders für leitfähige MIM-Präzisionsteile mit engen Innengeometrien. Die Oberflächenqualität erreicht Werte von Ra 0,2 bis 0,8 µm.

Methode 3 – Strahlverfahren

Bei Strahlverfahren wird ein abrasives Medium mit Druckluft auf die Bauteilkante beschleunigt. Übliche Drücke liegen zwischen 2 und 8 bar. Als Strahlmittel kommen Aluminiumoxid (Al2O3), Glasperlen oder auch Trockeneis zum Einsatz. Die Zykluszeit beträgt je nach Bauteilgröße 30 bis 120 Sekunden.

Druckluftstrahlen entfernen Grate bis zu einer Dicke von rund 0,05 mm und verrunden zugleich die Kanten. Trockeneisstrahlen arbeitet besonders schonend und hinterlässt keine Strahlmittelrückstände. Nach dem Strahlen werden Rauheiten von Ra 0,4 bis 1,0 µm erreicht. Für feinste MIM-Präzisionsteile ist eine gezielte Maskierung notwendig, wenn kritische Funktionsflächen geschont werden sollen.

Methode 4 – Vibrations- und Taumelschleifen

Beim Vibrationsschleifen werden die Bauteile in einem Behälter mit Schleifkörpern und Compound kontinuierlich bewegt. Typische Prozessparameter sind eine Frequenz von 25 bis 50 Hz und eine Amplitude von 2 bis 10 mm. Die Bearbeitungszeit liegt zwischen 20 und 120 Minuten im Batchbetrieb.

Das Taumelschleifen als Variante nutzt eine zusätzliche Drehbewegung, die auch Innenkanten effektiv entgratet. Mit geeigneten Keramik- oder Kunststoffchips erreichen Anwender Rauheiten von Ra 0,2 bis 0,6 µm. Das Verfahren ist besonders wirtschaftlich für hohe Stückzahlen. Es gehört zu den am häufigsten eingesetzten Methoden der Oberflächenbearbeitung in der MIM-Industrie.

Vergleich der vier Entgratungsmethoden

Die folgende Tabelle fasst die technischen Kenndaten der vier Verfahren zusammen.

VerfahrenPrinzipBearbeitungszeitErreichbare KanteRa-WertRelative Kosten
Thermisches EntgratenGasreaktion in Druckkammer1–3 sGratfrei, Radius 0,1–0,5 mmRa 0,8–1,6 µmGering bei hoher Serie
Elektrochemisches EntgratenAnodische Auflösung10–60 sDefinierter Radius, gratfreiRa 0,2–0,8 µmMittel
StrahlverfahrenAbrasive Partikel30–120 sEntgratung + VerrundungRa 0,4–1,0 µmGering bis mittel
VibrationsschleifenRelativbewegung mit Schleifkörpern20–120 minKantenverrundung, glättet OberflächeRa 0,2–0,6 µmGering im Batch

Die Auswahl des Entgratungsverfahrens sollte immer auf Basis der Bauteilanforderungen getroffen werden. Bei der Oberflächenbearbeitung von MIM-Präzisionsteilen sind zudem die Anforderungen an die Korrosionsbeständigkeit und an die Maßhaltigkeit nach ISO 2768 zu berücksichtigen.

Auswahlkriterien für die richtige Methode

Die folgende Matrix unterstützt die Auswahl anhand von Werkstoff, Geometrie und Stückzahl. Sie ist als technische Entscheidungshilfe zu verstehen und ersetzt keine Prototypenversuche.

KriteriumThermischElektrochemischStrahlverfahrenVibrationsschleifen
Geeignete WerkstoffeAlle MIM-WerkstoffeLeitfähige WerkstoffeAlle, auch harte LegierungenAlle
Baugröße5–500 mm5–200 mm1–500 mm5–300 mm
Wirtschaftliche StückzahlHoch (>10.000)Mittel bis hochFlexibelHoch (>50.000)
InnenkantenGutSehr gutEingeschränktEingeschränkt
Typisches Ra-Ziel0,8–1,6 µm0,2–0,8 µm0,4–1,0 µm0,2–0,6 µm

Zusätzlich zu den technischen Kriterien spielen Prozesskosten eine Rolle. Die folgende Aufstellung zeigt die wichtigsten Kostentreiber.

VerfahrenHilfsstoffeZykluszeitInvestition
Thermisches EntgratenCH4 / H2 / O21–3 sHoch
Elektrochemisches EntgratenNaNO3-Elektrolyt10–60 sMittel
StrahlverfahrenAl2O3 / Trockeneis30–120 sNiedrig
VibrationsschleifenSchleifchips / Compound20–120 minMittel

Häufige Fragen

Frage: Was kostet die Entgratung eines MIM-Präzisionsteils?
Antwort: Die Entgratungskosten betragen – je nach Verfahren und Bauteilgröße – üblicherweise zwischen 0,01 € und 0,50 € pro Teil. Thermisches Entgraten wird bei hohen Stückzahlen günstiger, während Batchverfahren wie das Vibrationsschleifen die Kosten auf viele Teile verteilen.

Frage: Ab wann ist elektrochemisches Entgraten sinnvoll?
Antwort: Elektrochemisches Entgraten ist immer dann sinnvoll, wenn definierte Kantenradien im Bereich von 0,05 mm bis 0,3 mm gefordert werden und gleichzeitig eine spannungsfreie, verfärbungsfreie Bearbeitung gewünscht ist. Bei nicht leitfähigen Werkstoffen ist dieses Verfahren ausgeschlossen.

Frage: Wie beeinflusst das Strahlen die Maßhaltigkeit?
Antwort: Druckluftstrahlen trägt typischerweise weniger als 0,01 mm Material ab. Dadurch bleiben die engen Toleranzen von MIM-Präzisionsteilen im Bereich von ±0,03 mm erhalten. Eine längere Strahlzeit kann jedoch zu Maßveränderungen an dünnen Wandstärken führen.

Frage: Welche Normen sind für die Oberflächenbearbeitung relevant?
Antwort: Für Kantenherstellung gilt ISO 13715, für Rauheitsangaben ISO 4287 und für allgemeine Toleranzen ISO 2768. Darüber hinaus spezifiziert die DIN-Normenreihe 2670 mechanische Oberflächeneigenschaften für verschiedene Anwendungsbereiche.

Fazit

Die vier dargestellten Methoden decken das gesamte Spektrum der Entgratung und Oberflächenbearbeitung von MIM-Präzisionsteilen ab. Thermisches Entgraten eignet sich für hohe Stückzahlen mit komplexen Innenkanten, elektrochemisches Entgraten für höchste Anforderungen an Maßhaltigkeit und Kantenqualität, Strahlverfahren für flexible Einsätze und Vibrationsschleifen als wirtschaftlicher Standardprozess.

Ingenieure sollten die Entscheidung auf konkrete Prototypenversuche stützen. Die hier genannten Parameter bilden eine belastbare Basis für die erste Auswahl und die spätere Prozessvalidierung nach ISO 9001 oder IATF 16949. Weitere Informationen zu werkstoffspezifischen Grenzen finden sich im Leitfaden zu MIM-Toleranzen sowie im Beitrag zur Nachbearbeitung von MIM-Bauteilen.

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