Date:2026-11-02 Views:0
Abrufsysteme sind die Regel, nach der ein Einkäufer bei einem MIM-Lieferanten Mengen und Termine auslöst: feste Monatsabrufe, Kanban mit Behälterkreislauf oder Konsignationslager mit Eigentumsübergang erst bei Entnahme. Sie verbinden die Produktionsplanung des Kunden mit der Fertigungs- und Ofenkapazität des Lieferanten.
Bei MIM-Bauteilen entscheidet nicht der Stückpreis über die Lieferfähigkeit, sondern die Frage, ob Abruf, Sintercharge und Transportfenster zusammenpassen. Ein Lieferant mit 20 Arbeitstagen Fertigungszeit und 40 Tagen Seefracht kann kurzfristige Abrufe nicht bedienen. Wer das ignoriert, kompensiert am Ende mit Luftfracht und einem Vielfachen der ursprünglich kalkulierten Logistikkosten.
"Reicht ein fester Monatsabruf für MIM-Bauteile aus?" -- Ja, solange die Wiederbeschaffungszeit vollständig im Bestand abgedeckt ist und die Abrufmenge die Mindestcharge pro Sinterofen nicht unterschreitet.
| Kriterium | Feste Abrufe | Kanban | Konsignation |
|---|---|---|---|
| Steuerungsaufwand | Mittelhoch, monatliche Planung | Niedrig, Behälter signalisiert Bedarf | Niedrig, Entnahme löst Abrechnung aus |
| Kapitalbindung beim Kunden | Bestand im eigenen Lager | Bestand im eigenen Lager, aber kleiner | Sehr niedrig, Lager beim Lieferanten |
| Bestandsrisiko | Beim Kunden | Geteilt, abhängig von Behälteranzahl | Beim Lieferanten bis zur Entnahme |
| Reaktionsfähigkeit | Abhängig von der Abruffrist | Hoch bei kurzen Wegen | Hoch, wenn Puffer vor Ort liegt |
| Typische Eignung | Stabile Serien, 4–8 Wochen Vorlauf | Wiederholte Teile mit glattem Verbrauch | Hohe Stückzahlen, enge Lieferfenster |
| Voraussetzung | Verlässliche Prognose | Standardbehälter und definierte Losgröße | Rahmenvertrag und Lagerfläche beim Lieferanten |
Für MIM-Bauteile aus China ist die Kombination aus festen Abrufen und einem Sicherheitsbestand der Regelfall. Kanban funktioniert nur, wenn ein Pufferlager in Europa oder eine Luftfrachtbrücke die Wiederbeschaffungszeit überbrückt.
Der Sicherheitsbestand deckt den Verbrauch während der Wiederbeschaffungszeit plus die Streuung dieser Zeit ab. Die Grundformel lautet: Sicherheitsbestand = Tagesverbrauch × Wiederbeschaffungszeit × Sicherheitsfaktor.
| Parameter | Beispielwert | Auswirkung auf den Puffer |
|---|---|---|
| Monatsbedarf | 40.000 Stück | Basis für den Tagesverbrauch |
| Tagesverbrauch | 1.900 Stück bei 21 Arbeitstagen | Direkter Multiplikator |
| Fertigungszeit beim Lieferanten | 18–22 Arbeitstage | Chargen- und Ofenplanung |
| Seefracht und Verzollung | 38–45 Tage | Größter Einzelblock |
| Wareneingangsprüfung | 3–5 Tage | Abhängig vom Prüfplan |
| Sicherheitsfaktor | 1,15 bei stabiler Planung, 1,35 bei Prognoseschwankung | Puffer für Verspätungen und Ausschuss |
Aus diesen Werten ergibt sich eine Wiederbeschaffungszeit von 59 bis 72 Tagen. Bei 1.900 Stück pro Tag und Faktor 1,25 liegt der Sicherheitsbestand zwischen 140.000 und 171.000 Stück, also etwa 3,5 bis 4,3 Monatsbedarfe. Diese Zahl wirkt hoch, ist aber die mathematische Folge einer Seefrachtlieferkette und nicht ein Zeichen schlechter Planung.
"Kann ich den Sicherheitsbestand durch Luftfracht senken?" -- Ja, aber nur für einen Teil des Volumens. Eine Luftfrachtbrücke von 10% des Bedarfs senkt den Puffer um etwa 20–25%, kostet aber das Vier- bis Achtfache der Seefracht pro Kilogramm.
Kanban lohnt sich, wenn vier Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind:
"Wie viele Kanban-Behälter brauche ich?" -- Behälteranzahl = (Wiederbeschaffungszeit ÷ Verbrauchszeit pro Behälter) + Sicherheitsbehälter. Bei 14 Tagen Wiederbeschaffung und 3 Tagen pro Behälter sind fünf Behälter plus ein Sicherheitsbehälter realistisch.
Konsignation verschiebt die Kapitalbindung zum Lieferanten, aber nicht das logistische Risiko. Der Lieferant muss die Lagerfläche und den Puffer finanzieren, was sich im Stückpreis niederschlägt. Ein Rahmenvertrag muss deshalb Mindestabnahme, Lagerdauer und Eigentumsübergang eindeutig regeln.
Ein Lieferfenster ist die Zeitspanne, in der eine Sendung beim Kunden eintreffen muss, damit die Produktion ohne Sonderfahrt weiterläuft. Es setzt sich aus fünf Blöcken zusammen.
| Block | Typische Dauer | Streuung | Steuerungshebel |
|---|---|---|---|
| Auftragsfreigabe und Materialbereitstellung | 3–5 Tage | Niedrig | Rahmenvertrag mit Materialbevorratung |
| MIM-Fertigung und Sinterung | 15–22 Arbeitstage | Mittel | Kapazitätsfenster reservieren |
| Seefracht | 32–40 Tage | Hoch | Feste Abfahrten, zwei Reedereien |
| Zoll und Importabwicklung | 2–5 Tage | Mittel | Vollständige Dokumente, Incoterms klären |
| Wareneingang und Prüfung | 3–5 Tage | Niedrig | Prüfplan und Priorisierung |
Das Lieferfenster sollte mindestens die Summe der Mittelwerte plus die Streuung der beiden unsichersten Blöcke abdecken. In der Praxis bedeutet das: 10–15 Tage Puffer zusätzlich zur Nominalzeit. Die Zoll- und Incoterms-Hinweise zeigen, welche Dokumente den Zollblock verkürzen.
Ein Abrufsystem ohne Kennzahlen driftet innerhalb von zwei Quartalen. Vier Werte reichen für die Steuerung.
| Kennzahl | Zielwert | Reaktion bei Abweichung |
|---|---|---|
| Liefertreue (OTD) | ≥ 95% | Ab 90%: Abrufvorlauf verlängern und Ursache im 8D klären |
| Bestandsreichweite | 6–8 Wochen | Unter 6 Wochen: Luftfracht prüfen; über 10 Wochen: Abrufe drosseln |
| Kanban-Umläufe pro Jahr | 12–18 | Unter 10: Behältermenge oder Losgröße anpassen |
| Fehlteilquote in der Linie | < 0,5% | Über 1%: Puffer und Verbrauchsprognose neu berechnen |
| E&O-Quote (Excess and Obsolete) | < 5% des Jahresbedarfs | Über 8%: Mindestabnahme und Änderungsmanagement prüfen |
Die Kennzahlen müssen mit den Qualitätsdaten zusammengeführt werden. Ein Lieferant mit 96% OTD und steigender Reklamationsquote liefert termingerecht, aber nicht brauchbar. Das Reklamationsmanagement mit 8D-Report liefert die Gegenmaßnahmen, die in die Abrufplanung zurückfließen sollten.
Beantworten Sie vier Fragen, bevor Sie das System festlegen:
Senden Sie uns Ihren Monatsbedarf, die Teileliste und Ihr aktuelles Lieferfenster. Wir berechnen daraus Sicherheitsbestand, sinnvolle Losgrößen und ein Abrufsystem, das zur Seefracht und zur Sinterkapazität passt — mit Kennzahlen, die Sie monatlich prüfen können.
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