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MIM-Bauteile mit Funktionselementen: Gewinde, Hinterschneidungen und Kerben

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Date:2026-07-31   Views:0


MIM-Bauteile (Metallpulverspritzgießen, Metal Injection Molding) ermöglichen die wirtschaftliche Herstellung komplexer Präzisionsmetallteile in Serie. In der Praxis stehen dabei häufig Funktionselemente wie Gewinde, Hinterschneidungen und Kerben im Fokus. Dieser Leitfaden zeigt, welche Toleranzen erreichbar sind, welche Werkstoffe sich eignen und wie die Konstruktion für das MIM-Verfahren optimal ausgelegt wird.

  • Prozessparameter: Sintertemperatur 1100–1350 °C, Sinterschrumpf 15–20 %, Dichte ≥ 95 %
  • Werkstoffe: 316L, 17-4PH, 42CrMo4, Ti-6Al-4V
  • Kritische Merkmale: Kurzspritzungen, Gratbildung, Schrumpfschwankungen

Mit den Daten aus diesem Artikel können Ingenieure in wenigen Minuten die Machbarkeit von MIM-Bauteilen mit Funktionselementen bewerten und typische Konstruktionsfehler vermeiden.

Was sind Funktionselemente bei MIM-Bauteilen?

Funktionselemente sind geometrische Merkmale, die einem Bauteil eine mechanische oder montagetechnische Aufgabe geben. Bei MIM-Bauteilen zählen dazu vor allem Innengewinde, Außengewinde, Hinterschneidungen, Kerben und Nuten. Diese Elemente werden entweder direkt im Spritzgießwerkzeug abgeformt oder in einer sekundären Bearbeitung erzeugt.

Die direkte Formung spart Zykluszeit und Kosten, stellt jedoch hohe Anforderungen an die Entformbarkeit. Das MIM-Verfahren arbeitet mit einem Metallpulver-Bindemittel-Gemisch, das nach dem Spritzgießen entbindert und gesintert wird. Während des Sinterns schrumpft das Bauteil um 15–20 %, wodurch sich auch die Toleranzen der Funktionselemente verändern.

Ingenieure müssen daher bereits in der Konstruktionsphase entscheiden, welche Elemente direkt geformt werden können und welche eine Nachbearbeitung benötigen. Die folgende Übersicht klassifiziert die typischen Funktionselemente bei MIM-Bauteilen:

Funktionselement Direkt formbar Nachbearbeitung Typische Anwendung
Innengewinde Bis M6 Ab M2 Gehäuse, Sensoren, Verbinder
Außengewinde Bis M8 Ab M4 Drehteile, Verschlüsse
Hinterschneidung Bedingt, mit Schieber Meist erforderlich Rastnasen, Clips
Kerbe / Nut Ja, ab 0,3 mm Breite Bei engen Toleranzen Dichtungen, Führungen

Gewinde im MIM-Verfahren: Innengewinde, Außengewinde und Toleranzen

Gewinde gehören zu den anspruchsvollsten Funktionselementen bei MIM-Bauteilen. Die erreichbare Toleranzklasse liegt üblicherweise bei 6H für Innengewinde und 6g für Außengewinde. Für viele Anwendungen in der Medizintechnik, im Sensorbau und in der Automobilelektronik ist diese Genauigkeit ausreichend.

Bei kleinen Nenndurchmessern ab M1,6 muss die Formfüllung besonders sorgfältig ausgelegt werden. Das Metallpulver-Bindemittel-Gemisch kann feine Gewindegänge oft nicht vollständig ausfüllen, wenn die Wandstärke zu gering ist. Eine Mindestwandstärke von 0,5 mm im Gewindebereich ist empfehlenswert.

Die folgende Tabelle zeigt die üblichen Gewindegrößen und Toleranzen für MIM-Bauteile:

Merkmal Innengewinde Außengewinde
Üblicher Nenndurchmesser M1,6 – M6 M2 – M12
Erreichbare Toleranzklasse 6H 6g
Direkt geformt Bis M6 Bis M8
Nachgeschnitten Ab M2 Ab M4
Oberflächenrauheit Ra 0,8 – 1,6 µm Ra 0,8 – 1,6 µm

Bei hohen Anforderungen an die Gewindefunktion empfiehlt sich eine Nachbearbeitung per Gewindeschneiden oder Gewindewalzen. MIM-Bauteile können nach dem Sintern auf diese Weise präzise Gewinde ab M2 erhalten. Der Vorteil der direkten Formung liegt in der Kosteneinsparung; der Nachteil in der geringeren Oberflächenqualität.

Hinterschneidungen clever gestalten

Hinterschneidungen bei MIM-Bauteilen erschweren die Entformung aus dem Spritzgießwerkzeug. Grundsätzlich kann das Werkzeug mit Schiebern oder seitlichen Kernen ausgestattet werden, um Hinterschneidungen direkt abzuformen. Dies erhöht jedoch die Werkzeugkosten und die Komplexität der Konstruktion.

Eine Richtlinie lautet: Hinterschneidungen ohne Schieber sind nur bis zu einem Winkel von 5° möglich. Für Rastnasen, Clipgeometrien oder Haken, die als Funktionselemente dienen, sollten Konstrukteure eine Entformungsschräge von 0,5° bis 1° pro Seite vorsehen. Ohne ausreichende Schräge besteht die Gefahr von Oberflächenabrissen oder Werkzeugbeschädigungen.

Falls sich eine Hinterschneidung nicht vermeiden lässt, gibt es drei Alternativen:

  1. Einsatz von seitlichen Schiebern im MIM-Werkzeug
  2. Nachbearbeitung im gesinterten Zustand durch Fräsen oder Erodieren
  3. Zweiteilige Bauweise mit separatem Funktionselement und Fügetechnik

Die Tabelle fasst die wichtigsten Grenzwerte für Hinterschneidungen und Kerben zusammen:

Merkmal Empfehlung Grenzwert
Entformungsschräge 0,5° – 1° pro Seite Mindestens 0,2°
Kerbbreite ≥ 0,3 mm Unter 0,3 mm risikoreich
Kerbtiefe ≤ 0,5 mm Bis 1,0 mm nur mit Schieber
Hinterschneidungswinkel Ohne Schieber nicht empfohlen Maximal 5°
Radius an Kanten ≥ 0,05 mm Unter 0,05 mm vermeiden

Kerben und Nuten: Grenzen und Konstruktionsregeln

Kerben und Nuten übernehmen bei vielen MIM-Bauteilen Funktionen wie das Aufnehmen von Dichtringen, Führungen oder Sicherungselementen. Im Vergleich zu Gewinden sind sie einfacher abzuformen, da sie keine Schraubenlinie besitzen. Die Mindestbreite einer Kerbe sollte jedoch 0,3 mm nicht unterschreiten.

Bei Kerbtiefen über 0,5 mm muss der Konstrukteur die Formfüllung und die Entformung gesondert prüfen. Das Verhältnis von Kerbtiefe zu Kerbbreite sollte 2:1 nicht überschreiten. Ein größeres Verhältnis führt zu unvollständiger Verdichtung im Sinterprozess und damit zu Poren im Bauteilquerschnitt.

Typische Kerbgeometrien bei MIM-Bauteilen sind umlaufende Nuten für O-Ringe, achsparallele Führungsnuten und asymmetrische Kerben als Montagehilfe. Radiuen an den Kerbkanten von mindestens 0,05 mm verbessern die Festigkeit und vermeiden Mikrorisse beim Entbindern.

Die Wandstärke im Bereich einer Kerbe sollte möglichst gleichmäßig sein. Ungleichmäßige Wandstärken führen zu unterschiedlichem Sinterschrumpf und können die Toleranz des gesamten MIM-Bauteils negativ beeinflussen.

Werkstoffauswahl für Funktionselemente

Die Werkstoffauswahl bestimmt, ob Gewinde, Hinterschneidungen und Kerben direkt geformt oder nachbearbeitet werden müssen. Für MIM-Bauteile mit Funktionselementen haben sich vier Werkstoffgruppen etabliert: austenitische Edelstähle, ausscheidungshärtbare Stähle, Vergütungsstähle und Titanlegierungen.

Die folgende Tabelle zeigt die gebräuchlichsten Werkstoffe für MIM-Bauteile mit Funktionselementen:

Werkstoff Dichte Zugfestigkeit Härte Eignung
316L ≥ 95 % ≥ 480 MPa 140 HV Korrosionsbeständig, medizintechnisch
17-4PH ≥ 95 % ≥ 980 MPa 320 HV Hochfest, federt gut
42CrMo4 ≥ 95 % 900 MPa 300 HV Höchste Festigkeit, verschleißfest
Ti-6Al-4V ≥ 95 % 830 MPa 320 HV Leichtbau, Implantate

Gewinde aus 17-4PH erreichen dank der hohen Festigkeit eine gute Lastübertragung. Für Kerben und Hinterschneidungen, die dynamisch beansprucht werden, ist 316L wegen seiner Zähigkeit oft besser geeignet. Titanlegierungen bieten ein hervorragendes Festigkeits-Gewichts-Verhältnis, sind aber im Vergleich kostspielig.

Die Sintertemperatur variiert je nach Werkstoff zwischen 1100 °C und 1350 °C. Ein höherer Sintergrad erhöht die Dichte und damit die mechanische Belastbarkeit der Funktionselemente. Gleichzeitig steigt der Sinterschrumpf, was die Toleranzlage beeinflusst.

Toleranzen und Qualitätssicherung

Die erreichbaren Toleranzen bei MIM-Bauteilen liegen üblicherweise bei ±0,05 mm für maßliche Abmessungen. Für Gewinde gelten die bereits genannten Toleranzklassen 6H und 6g. Kerben und Nuten lassen sich auf ±0,05 mm reproduzierbar herstellen, wenn die Wandstärke gleichmäßig ist.

Die Qualitätssicherung umfasst bei MIM-Bauteilen mit Funktionselementen mehrere Schritte:

  • Optische Prüfung auf Gratbildung an Gewindegängen
  • Messung der Gewindegänge mit Gewindelehren nach DIN ISO 1502
  • Röntgenprüfung bei Hinterschneidungen mit Schiebereinsatz
  • Dichtheitsprüfung bei Kerben für O-Ring-Anwendungen
  • Dichte- und Härteprüfung nach dem Sinterprozess

Die größte Herausforderung ist die Schrumpfschwankung von 15–20 % während des Sinterns. Diese Schwankung wirkt sich direkt auf Gewindesteigung und Gewindedurchmesser aus. Um die Toleranzklasse 6H sicher zu erreichen, kalibrieren erfahrene Hersteller das MIM-Werkzeug basierend auf dem werkstoffspezifischen Schrumpfwert.

Ein weiterer Qualitätsfaktor ist die Oberflächenrauheit. Direkt geformte Gewinde erreichen Ra 0,8–1,6 µm, nachgeschnittene Gewinde können Ra 0,4–0,8 µm erreichen. Für Kerben, die als Dichtflächen dienen, ist eine Rauheit unter Ra 1,0 µm erforderlich.

MIM vs. Feinguss vs. CNC: Verfahrensvergleich für Funktionselemente

Für die Herstellung von Präzisionsmetallteilen mit Funktionselementen stehen neben dem MIM-Verfahren auch der Feinguss und die CNC-Bearbeitung zur Verfügung. Welches Verfahren die beste Lösung ist, hängt von Stückzahl, Komplexität und geforderter Toleranz ab.

Kriterium MIM Feinguss CNC
Komplexität der Geometrie Hoch Mittel Gering bis mittel
Typische Toleranz ±0,05 mm ±0,10 mm ±0,01 mm
Wirtschaftliche Stückzahl Ab 5.000 Ab 1.000 Ab 1
Werkzeugkosten 5.000–50.000 € 2.000–20.000 €
Gewinde direkt formbar Gut, bis M6 Begrenzt Exzellent
Hinterschneidungen Mit Schieber Eingeschränkt Frei wählbar

MIM-Bauteile mit Funktionselementen sind dann die erste Wahl, wenn hohe Stückzahlen und komplexe Geometrien kombiniert werden. Feinguss bietet sich bei mittleren Stückzahlen und einfacheren Funktionselementen an. CNC-Bearbeitung eignet sich für Prototypen und Kleinserien, bei denen engste Toleranzen und sofortige Werkzeugänderungen gefordert sind.

Der Vergleich zeigt auch, dass die Wahl des Verfahrens die Kostenstruktur stark beeinflusst. Während die MIM-Werkzeugkosten höher liegen, sinken die Stückkosten bei großen Mengen deutlich. Für Gewinde ab M8 ist CNC-Bearbeitung oft wirtschaftlicher, da die direkte Formung im MIM-Verfahren an ihre Grenzen stößt.

DFM-Checkliste für Funktionselemente

Die Design-for-Manufacturing-Regeln (DFM) entscheiden, ob MIM-Bauteile mit Funktionselementen zuverlässig und wirtschaftlich herstellbar sind. Die folgende Checkliste unterstützt Konstrukteure bei der Auslegung:

  • Gewinde: Nenndurchmesser über M1,6 wählen; für hohe Genauigkeit Nachschneiden einplanen
  • Wandstärke im Gewindebereich: mindestens 0,5 mm, ideal 1,0–2,0 mm
  • Hinterschneidungen: wenn möglich vermeiden oder als zweiteilige Bauweise lösen
  • Kerben: Breite ≥ 0,3 mm, Tiefe ≤ 0,5 mm, Innenradius ≥ 0,05 mm
  • Entformungsschrägen an allen Funktionselementen: 0,5°–1° pro Seite
  • Gleichmäßige Wandstärke im gesamten Bauteil sicherstellen
  • Scharfe Kanten vermeiden, Mindestradius 0,05 mm einhalten
  • Werkstoffauswahl an die Funktionselemente anpassen (Festigkeit, Korrosion)
  • Prozessfähigkeit mit dem Hersteller anhand von Schrumpfmustern validieren

Ein typischer Fehler ist die Auslegung von Innengewinden ohne Berücksichtigung des Sinterschrumpfs. Die Gewindebohrung muss im Werkzeug entsprechend vergrößert werden. Da der Schrumpf werkstoffabhängig ist, sollten Konstruktion und Werkzeugauslegung eng mit dem MIM-Hersteller abgestimmt werden.

Häufige Fragen zu MIM-Bauteilen mit Funktionselementen

Frage: Welche Gewindegrößen lassen sich bei MIM-Bauteilen direkt formen?
Antwort: Innengewinde bis M6 und Außengewinde bis M8 können direkt im Spritzgießwerkzeug abgeformt werden. Für größere Gewinde oder engere Toleranzklassen ist eine Nachbearbeitung erforderlich.

Frage: Sind Hinterschneidungen bei MIM-Bauteilen überhaupt möglich?
Antwort: Ja, mit seitlichen Schiebern im Werkzeug sind Hinterschneidungen möglich. Die Werkzeugk

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