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Metal Binder Jetting vs. MIM: Wann additiv, wann spritzgießen? Technischer Vergleich

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Date:2026-07-31   Views:0


Was ist Metal Binder Jetting (MBJ)?

Metal Binder Jetting (MBJ) ist ein additives Fertigungsverfahren, bei dem ein flüssiges Bindemittel schichtweise selektiv auf ein Metallpulverbett aufgetragen wird. Der entstehende Grünteil wird anschließend im Ofen entbindert und gesintert. Anders als beim Laserstrahlschmelzen arbeitet MBJ ohne fokussierte Energiequelle und benötigt daher keine Stützstrukturen.

Der typische Prozess umfasst folgende Schritte:

  • Auftrag einer dünnen Metallpulverschicht, üblich sind 30–100 µm Schichthöhe.
  • Selektiver Druck von Binder auf die jeweils aktuelle Querschnittsfläche.
  • Aushärtung des Binders und weiterer Schichtaufbau bis zur Bauteilgeometrie.
  • Entbindern des Grünteils und Sintern bei 1100–1350 °C.

Durch diesen Ablauf entstehen Bauteile mit hoher geometrischer Freiheit. Insbesondere komplexe innere Kanäle, Hinterschneidungen und Gitterstrukturen lassen sich ohne Werkzeugkosten abbilden.

Was ist MIM (Metallpulverspritzgießen)?

MIM (Metal Injection Molding, Metallpulverspritzgießen) ist ein pulvermetallurgisches Spritzgießverfahren. Ein Gemisch aus feinem Metallpulver und einem organischen Binder wird zu Granulat verarbeitet und auf einer Spritzgießmaschine in eine Werkzeugform eingespritzt. Nach dem Entbindern wird das Bauteil bei 1100–1350 °C gesintert.

Das Verfahren kombiniert die Gestaltungsfreiheit des Kunststoffspritzgießens mit den Materialeigenschaften von Metall. Für Serienbauteile mit engen Toleranzen, glatten Oberflächen und reproduzierbaren mechanischen Kennwerten ist MIM ein etablierter Prozess in der Medizintechnik, der Automobilindustrie und der Elektronikfertigung.

MBJ vs. MIM: Die wichtigsten Unterschiede im Überblick

Beide Verfahren erzeugen Metallteile aus Pulver, unterscheiden sich jedoch grundlegend in Werkzeugaufwand, Stückzahl, Oberflächenqualität und Toleranzverhalten.

KriteriumMBJMIM
PrinzipAdditiver Schichtbau + SinternSpritzgießen + Entbindern + Sintern
WerkzeugKeine Werkzeugkosten5.000–50.000 € je nach Komplexität
Maximale FormfreiheitSehr hoch; innere Kanäle ohne Schrägen möglichHoch; Entformungsschrägen ab etwa 0,5° erforderlich
Übliche Toleranz±0,1–0,3 mm±0,3–0,5 % des Nennmaßes, typisch ±0,05–0,13 mm
OberflächenrauheitRa 3,2–12 µmRa 0,4–3,2 µm
Sinterdichte96–99 % bei Stahl95–98,5 %
ZykluszeitBatchprozess, relativ langSekunden bis Minuten pro Schuss
Wirtschaftliche Serie1–1.000 Stückab 5.000–10.000 Stück

Technischer Vergleich: Toleranzen, Dichte und Oberflächenqualität

Für die Verfahrensauswahl entscheidend sind vor allem Dichte, Oberflächengüte und Maßhaltigkeit. MIM-Teile erreichen durch das druckgefüllte Werkzeug typischerweise IT-Klassen im Bereich 9–12 und können Passflächen mit einer Rauheit unter Ra 1,6 µm liefern. MBJ-Teile besitzen nach dem Sintern eine porösere Oberfläche und benötigen für Passkonturen häufig eine zerspanende Nachbearbeitung.

Die relative Dichte beider Verfahren liegt in einem ähnlichen Fenster. Allerdings ist die Porenstruktur unterschiedlich, was mechanische Belastbarkeit und Dichtigkeit beeinflusst.

WerkstoffMBJ-SinterdichteMIM-SinterdichteBeispielhafte Zugfestigkeit nach Wärmebehandlung
Edelstahl 316L96–99 %95–98 %≥ 480 MPa
Marten sitischer Stahl 17-4PH96–98 %95–98 %≥ 900 MPa
Titan Grad 296–98 %95–97 %≥ 340 MPa
Inconel 71898–99 %97–98 %≥ 850 MPa

Bei Bauteilen mit Dichtungsanforderungen müssen beide Verfahren besonders bewertet werden. MIM erreicht mit optimierter Sinterung eine geschlossenere Oberflächenstruktur, während MBJ eine Nachbehandlung wie Infiltration oder HIP erfordern kann.

Wirtschaftlichkeit: Ab welcher Stückzahl lohnt sich welches Verfahren?

Die Kostenstruktur unterscheidet sich deutlich. MBJ vermeidet werkzeuggebundene Anlaufkosten, hat aber höhere Stückkosten und längere Durchlaufzeiten. MIM amortisiert den Werkzeugaufwand erst bei größeren Serien, bietet dann aber sehr niedrige Stückkosten und kurze Zykluszeiten.

KostenblockMBJMIM
Werkzeugkosten0 €5.000–50.000 €
Bauteilkosten in Kleinserieca. 10–30 €/Stück je nach Volumensehr hoch durch Werkzeuganteil
Bauteilkosten in Großseriebleiben weitgehend konstant2–15 €/Stück je nach Komplexität
Änderungsflexibilitätdigital, ohne Werkzeugänderungaufwendige Werkzeugänderung
Wirtschaftlicher Bereich1–1.000 Stückab 5.000–10.000 Stück

Für Prototypen und Kleinserien ist MBJ daher häufig kostengünstiger. Für stabile Serienprozesse mit enger Toleranzvorgabe bleibt MIM ökonomisch attraktiv.

Wann ist MBJ die bessere Wahl?

Metal Binder Jetting eignet sich besonders für Anwendungen, bei denen Werkzeugkosten oder geometrische Komplexität den Spritzgießprozess unwirtschaftlich machen.

  • Produktentwicklung und Funktionsmuster ohne Werkzeuginvestition.
  • Kleinserien bis etwa 1.000 Stück pro Jahr.
  • Innere Kanäle, Gitterstrukturen und Hinterschneidungen ohne Entformungsschrägen.
  • Mehrere Designvarianten parallel in einem Baujob.
  • Kupfer, Wolfram oder Nickelbasislegierungen, bei denen eine spanende Fertigung aufwendig ist.

Wann ist MIM die bessere Wahl?

MIM überzeugt dort, wo hohe Stückzahlen, Maßwiederholbarkeit und wirtschaftliche Fertigung im Mittelpunkt stehen.

  • Serienproduktion ab etwa 5.000–10.000 Stück pro Jahr.
  • Enge Toleranzen im Bereich ±0,3–0,5 % des Nennmaßes.
  • Gute Oberflächengüte ohne kostenintensive Nachbearbeitung.
  • Hohe Reproduzierbarkeit für Medizintechnik, Automotive und Industrieanwendungen.
  • Werkzeuggebundene Prozesssicherheit mit etablierten Qualitätsstandards wie ISO

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