Date:2026-07-31 Views:0
MIM (Metal Injection Molding, Metallpulverspritzgießen) und CNC-Bearbeitung sind zwei grundlegend verschiedene Wege zur Herstellung von Präzisionsmetallteilen. Während beim MIM-Verfahren ein Metallpulver-Bindemittel-Gemisch im Spritzguss geformt und anschließend gesintert wird, entfernt die CNC-Bearbeitung Material von einem Rohteil durch Fräsen, Drehen oder Bohren. Die Wahl zwischen beiden Fertigungsverfahren ist keine Frage des „besser“, sondern eine Frage der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Dieser Artikel behandelt auf Basis technischer Kennzahlen und Kostenmodelle:
Mit den Daten aus diesem Artikel können Fertigungsingenieure und Einkäufer in wenigen Minuten eine belastbare Verfahrensentscheidung für ein konkretes Bauteil ableiten.
Bauteilanfragen im deutschsprachigen Raum enthalten häufig dieselbe Frage: Welches Verfahren produziert dieses Präzisionsmetallteil zu den niedrigsten Gesamtkosten? Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab, die sich nicht auf den Einzelpreis reduzieren lassen. Werkzeugkosten, materialbedingter Abfall, Durchlaufzeit und die erreichbare Maßhaltigkeit bilden ein Gesamtsystem.
Eine Entscheidung für das falsche Verfahren verursacht typischerweise 20–40 % höhere Herstellkosten. Besonders bei Losgrößen zwischen 1.000 und 50.000 Stück ist die Überschneidungszone groß. Der folgende Vergleich quantifiziert die Unterschiede zwischen MIM und CNC-Bearbeitung entlang relevanter Dimensionen.
Das MIM-Verfahren kombiniert die Formgebungsfreiheit des Kunststoffspritzgusses mit den Werkstoffeigenschaften gesinterter Metalle. Als Ausgangsmaterial dient ein Feedstock aus feinem Metallpulver (typische Partikelgröße 5–22 µm) und einem polymeren Bindemittel. Der Feedstock wird bei 150–250 °C im Spritzgießwerkzeug zu einem Grünling geformt.
Anschließend wird das Bindemittel in mehreren Stufen entfernt. Beim thermischen Entbindern steigt die Temperatur auf 400–600 °C, bevor der Sinterprozess bei 1100–1350 °C stattfindet. Während des Sinterns verdichtet sich das Bauteil auf eine Dichte von 95–98 % und schrumpft gleichmäßig um 15–20 %. Diese Schrumpfung bestimmt die erreichbare Toleranz, die bei sorgfältiger Prozessführung bei ±0,3 % des Nennmaßes liegt.
Die atmik-Website dokumentiert die verfügbaren Werkstoffe wie 316L, 17-4PH oder Titanlegierungen sowie die werkstoffspezifischen Sinterparameter. Zu den Vorteilen des MIM gehören hohe Designfreiheit, sehr gute Oberflächengüten nach dem Sintern und wirtschaftliche Stückkosten ab mittleren Losgrößen. Als Grenzen sind die vergleichsweise hohen Werkzeugkosten, die begrenzte maximale Baugröße (typisch unter 100 g) und der zusätzliche Sinterverzug zu nennen.
Die CNC-Bearbeitung arbeitet subtraktiv: Ein Halbzeug oder Gussrohling wird durch Fräsen, Drehen, Bohren oder Schleifen in die Endkontur gebracht. Moderne 5-Achs-Bearbeitungszentren erreichen bei der Maßhaltigkeit Toleranzen bis ±0,005 mm und Oberflächenrauheiten von Ra 0,2–0,8 µm. Damit übertrifft dieses Verfahren die Maßgenauigkeit des MIM in vielen Fällen deutlich.
Der größte wirtschaftliche Vorteil der CNC-Bearbeitung liegt in der Werkzeugfreiheit. Da keine Spritzgießform benötigt wird, entfallen Einmalkosten von 30.000–80.000 €. Selbst bei einer Stückzahl von einer Einheit ist die Fertigung wirtschaftlich darstellbar. CNC-Arbeitszentren arbeiten mit Stundensätzen von 60–120 €, wobei die Zykluszeit stark von der Bauteilkomplexität abhängt und mehrere Minuten bis Stunden betragen kann.
Zu den Nachteilen zählen der Materialverlust durch Spanabtrag, begrenzte Innenkonturen ohne Werkzeugzugänglichkeit sowie höhere Stückkosten bei größeren Serien. Für komplexe, hinterschnittene Geometrien ist die CNC-Bearbeitung oft nicht oder nur mit Sonderwerkzeugen abbildbar. Als Materialbasis dienen standardisierte Halbzeuge nach DIN EN 10088 oder vergleichbaren Normen.
Die folgende Tabelle stellt die wichtigsten technischen und wirtschaftlichen Kennzahlen von MIM und CNC-Bearbeitung gegenüber. Die Werte sind typische Richtwerte aus der Serienfertigung und können je nach Bauteilgeometrie abweichen.
| Kriterium | MIM (Metallpulverspritzgießen) | CNC-Bearbeitung |
|---|---|---|
| Typische Toleranz | ±0,3 % des Nennmaßes, minimal ±0,02 mm | ±0,005 bis ±0,02 mm |
| Oberflächenrauheit | Ra 0,4–1,6 µm nach dem Sintern | Ra 0,2–0,8 µm |
| Geometriekomplexität | Sehr hoch, Hinterschneidungen und Innenkonturen möglich | Mittel bis hoch, abhängig von Werkzeugzugänglichkeit |
| Werkzeugkosten | 30.000–80.000 €, Formenlebensdauer bis 500.000 Schuss | Gering bzw. entfallen, Rüstkosten 50–200 € |
| Stückkosten bei mittlerer Serie | 1–5 € je nach Baugröße und Werkstoff | 5–25 € je nach Bearbeitungszeit |
| Materialdichte | 95–98 % der theoretischen Dichte | 100 %, keine Porosität |
| Wandstärken | 0,5–3,0 mm, gleichmäßige Wandstärke empfohlen | Keine spezifische Grenze, dünnste Wand durch Spanungsstabilität begrenzt |
Die Tabelle zeigt: MIM bietet bei hoher Komplexität eine günstigere Stückkostenbasis, während die CNC-Bearbeitung bei Präzision und kleineren Stückzahlen punktet. Eine pauschale Bevorzugung eines Verfahrens ist daher nicht sinnvoll.
Der zentrale Kostenunterschied zwischen MIM und CNC liegt in der Fixkostenstruktur. Das MIM erfordert eine aufwendige Spritzgießform, deren Herstellung und Erprobung 30.000–80.000 € kostet. Dafür liegen die variablen Stückkosten durch schnelle Zykluszeiten von 20–60 s und automatisiertes Handling sehr niedrig. Bei der CNC-Bearbeitung entfallen die Werkzeugkosten, aber jede Minute Bearbeitungszeit erhöht die variablen Kosten linear.
Die folgende Beispielrechnung geht von einem mittelkomplexen Bauteil aus rostfreiem Stahl mit ca. 50 g Gewicht aus. Für das MIM wird eine Form mit 40.000 € angenommen, die Stückkosten liegen bei 2,50 €. Die CNC-Variante benötigt je nach Kontur eine Bearbeitungszeit von 15 Minuten, wodurch bei einem Mischstundensatz von 90 € Stückkosten von 22,50 € entstehen. Eine Nachbearbeitung bestimmter Funktionen wie Gewinde wird in beiden Varianten nicht berücksichtigt.
| Losgröße | Kosten pro Stück CNC | Kosten pro Stück MIM | Gesamtkosten CNC | Gesamtkosten MIM |
|---|---|---|---|---|
| 100 | 22,50 € | 402,50 € | 2.250 € | 40.250 € |
| 1.000 | 22,50 € | 42,50 € | 22.500 € | 42.500 € |
| 3.000 | 22,50 € | 15,83 € | 67.500 € | 47.500 € |
| 10.000 | 22,50 € | 6,50 € | 225.000 € | 65.000 € |
Der Break-even-Punkt liegt hier bei rund 2.000 Stück, die MIM-Gesamtkosten sinken ab etwa 3.000 Stück deutlich unter die CNC-Bearbeitung. In der Praxis können andere Faktoren wie benötigte Oberflächenbehandlung oder geforderte Zertifikate die Kurve verschieben. Dennoch gilt die Faustregel: Ab 3.000–5.000 Stück ist das Metallpulverspritzgießen dem CNC-Fräsen in der Regel wirtschaftlich überlegen.
Die Bauteilgeometrie ist neben der Stückzahl das wichtigste Entscheidungskriterium. Komplexe Innenkonturen, Hinterschneidungen oder dünne Wandstärken sind im MIM ohne zusätzliche Bearbeitungsschritte herstellbar. Die CNC-Bearbeitung ist dagegen für flache, prismatische Bauteile mit hohen Präzisionsanforderungen an einzelnen Funktionsflächen geeignet.
| Bauteilbeispiel | Typische Anforderungen | Empfohlenes Verfahren |
|---|---|---|
| Schließblech für Türschloss | Komplexe Kontur, 2.000–5.000 Stück/Jahr, 17-4PH | MIM |
| Präzisionsgehäuse für Sensorik | Maßtoleranz ±0,01 mm, 500 Stück/Jahr | CNC-Bearbeitung |
| Chirurgisches Instrumententeil | Einzelteile, hohe Biokompatibilität, individuelle Anpassung | CNC-Bearbeitung |
| Halterung mit Innengewinde und Rastnasen | Freiformflächen, 10.000 Stück/Jahr, 316L | MIM |
Bei Bauteilen mit strengen Anforderungen an die Dichtheit oder bei hochbelasteten Komponenten kann eine Nacharbeit per CNC erforderlich sein. Ein kombiniertes Vorgehen aus MIM
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